Mode

Wiedersehen mit Freunden

Von , 22. November 2016

© CHAMPION X WEEKDAY
© CHAMPION X WEEKDAY

Willkommen zurück, Fila, Kappa, Champion & Co. Über die neu entdeckte Liebe zu den großen Sports- und Streetwearmarken der 90er-Jahre

Manche Modefans betreiben das Ausmisten alter Kleidungsstücke mit einer fast ebenso großen Leidenschaft wie das Einkaufen neuer. Die Gemeinheit dabei: Die Mode erschwert den Entsorgungsprozess, indem sie einem immer wieder vor die Nase führt, welche Stücke man besser behalten hätte. Zum Beispiel den Logogürtel von Gucci oder den Nylonrucksack von Prada. Die ein oder andere dürfte inzwischen auch ihren alten, ausgeleierten Sport-Sweatshirts von Marken wie Champion, Esprit, Fila oder Kappa heftig nachweinen.

Diese sogenannten „Kultlabels“ kleideten in den 90er Jahren eine ganze Generation an lebenshungrigen wie orientierungslosen Kids mit ihrer locker sitzenden, Logo-lauten Mode ein, sie gehörten zum Abhäng-Alltag in Einkaufszentren und auf Schulhöfen dazu wie Zigaretten und sehr viel Zeit zum Totschlagen.

Dieser Look und das dazugehörige Lebensgefühl waren vom Modegeschehen in Paris und Mailand so weit entfernt wie die Einkaufsphilosophie von Aldi. Heute stehen sich beide Welten so nah wie nie, denn einige Designer haben den Streetwear– und Sportswear-Ikonen von einst zum Comeback verholfen.

©Gosha Rubchinskiy
Gosha Rubchinskiy Frühjahr 2017 © Foto: Giovanni Giannoni

Im vergangenen Juni stellte Gosha Rubchinskiy auf der Männermodemesse Pitti Uomo für den kommenden Frühling Sweatshirts, T-Shirts und Trainingsjacken vor, die in Zusammenarbeit mit den italienischen Retro-Sportmarken Fila, Kappa und Sergio Tacchini entstanden waren. Im September erinnerte der Concept Store Opening Ceremony an die einstige modische Bedeutung von Esprit mit einer Capsule Collection, die das frühere jugendlich-unbeschwerte Image der Marke wiederbeleben sollte. Und Vetements hob das Konzept der Mode-Kooperation auf ein neues Level, als es im vergangenen Juli zahlreiche Entwürfe von verschiedenen Partnern wie Dr. Martens, Reebok und Champion produzieren ließ.

Die Logik hinter dieser „Multibrand-Kooperation“: Vetements wollte gewisse Stücke wie Jeans, Cargohosen oder Nylonjacken von den Marken herstellen lassen, die mit diesen Teilen am meisten identifiziert wurden, die Profis waren in ihrem jeweiligen Bereich. In diesem Sinne lässt sich auch das Revival der Klassiker-Firmen erklären, von denen viele in den vergangenen Jahren in Vergessenheit geraten waren.

© Esprit x Opening Ceremony
© Esprit x Opening Ceremony

Denn der abgerockte, gewollt nachlässige Anti-Look von Firmen wie Off-White oder Gosha Rubchinskiy hat seinen Ursprung in der Street- und Sportswear der 90er Jahre. Kein Wunder: Designer wie Demna Gvasalia oder die Opening Ceremony-Gründer Humberto Leon und Carol Lim sind mit diesen Firmen aufgewachsen, sie haben ihren Geist eingeatmet und ihr Stil prägt sie bis heute. Das sieht man an ihren Entwürfen. Aber sie lassen sich von ihnen nicht nur stilistisch inspirieren, sie erkennen sehr wohl, welch emotionalen Mehrwert diese Namen von damals auch heute noch mitbringen. Also arbeiten sie mit ihnen zusammen, zollen ihnen dadurch Respekt, und profitieren gleichzeitig von der Authentizität, die Marken wie Champion und Fila ausstrahlen.

Modelabels verkaufen in erster Linie Emotionen, und dass Nostalgie als Mittel der Verführung besonders gut funktioniert, hat sich schon oft gezeigt. Die Designer, die schließlich immer noch Luxusmode entwerfen, wirken durch solche Partnerschaften auch weniger elitär. Die Sportmarken wiederum erleben, dass ihre Geschichte wieder gefragt ist und bekommen die Chance, ihr Geschäft anzukurbeln. Sie profitieren endlich auch davon, dass ein von ihnen geprägter Look Menschen heute dazu bringt, 700 Euro für einen Hoodie auszugeben.

Das amerikanische Label Champion wird ab dem 08. Dezember dank einer neuen Capsule Collection mit der schwedischen Modekette Weekday eine Zielgruppe ansprechen, die zu den Hochzeiten des Unternehmens vermutlich noch gar nicht geboren war. Die Chancen stehen gut, dass seine Anziehungskraft heute ebenso funktioniert wie damals.