Mode

Schreck am Fuß

Von , 10. October 2016

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Prada SS 2017 © Prada

Crocs, Stiefel-Zwitter und Flip Flops mit Plateau: Über die nicht enden wollende Liebe zum „Ugly Shoe“

Was würde Carrie Bradshaw sagen? Was würde sie, der berühmteste Fan zierlicher Manolo Blahnik-Schuhskulpturen, halten von den Crocs, die Christopher Kane vor ein paar Wochen auf der Londoner Fashion Week vorgestellt hat? Oder von den quietschbunten Badelatschen mit Spielzeugblumen bei Prada, den Zehenplateausandalen bei Versace oder den „Stiefel-Zwittern“ von Hood by Air?

Die jüngsten Modenschauen für den kommenden Frühling und Sommer haben ihm wieder ihre Liebe erklärt, dem klobigen, unförmigen und, ja, manchmal ganz schön hässlichen Schuh. Bei Céline trugen die Models lederne Kniestrümpfe zu Mules, bei Gucci Geisha-ähnliche Plateaus mit passenden Söckchen. Der „Ugly Shoe“ ist inzwischen eine Schuh-Kunstform für sich. Ein filigraner Stiletto oder ein schöner Pump qualifiziert ein Modell heute nicht mehr als cool. Stattdessen gilt: Je kurioser, desto besser.

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Christopher Kane © Marcio Madeira

Die wachsende Beliebtheit des „Ugly Shoe“ ist vor allem Phoebe Philo von Céline zu verdanken, die vor einigen Jahren mit einer absurd-genialen Erfindung namens „Furkenstocks“ den Öko-Pantoffel zum Luxus-Accessoire mit Nerz-Fußbett erhob. Auch die originalen Birkenstocks galten plötzlich nicht mehr als plump, sondern als schick, und Marken von Marni bis Prada führten ihre eigenen Versionen von bequemen Gesundheitssandalen mit breiter Stampfer-Sohle ein. Philo stellte zusammen mit dem Furkenstock übrigens auch ein paar Pumps aus gelbem Pelz vor, die man sich eher als Teil eines Sesamstraßen-Kostüms denn als Laufstegentwurf vorgestellt hätte.

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Hood by Air SS 2017 © Marcio Madeira

Verrückt? Klar, aber was man im ersten Moment noch als modischen Witz abtut, liegt wenige Monate später schon im virtuellen Warenkorb. Man denke nur an die Fellslipper oder die Clogs von Gucci, die nach Alessandro Micheles erster Saison an gefühlt jedem zweiten Moderedakteur zu sehen waren. Oder an hochgeschlossenen Céline-Ballerinas, die jedem Frauenfuß die Silhouette eines Entenschnabels verleihen und trotzdem en masse getragen werden.

Gucci SS 2017 © Gucci
Gucci SS 2017 © Gucci

Solche Trends zeugen auch von einem neuen Selbstbewusstsein unter Frauen. Es geht nicht mehr darum, Männer mit hohen Absätzen zu verführen oder sich „sexy“ zu fühlen, möglichst zierliche Füße zu haben oder sich extra lange Beine hinzuschummeln. Das sind tatsächlich Klischees aus Sex and the City-Zeiten. Junge Frauen, an deren Instagram-Looks man sich nicht satt sehen kann, tragen nonchalant „Granny Shoes“ der New Yorker Designerin Maryam Nassir Zadeh, hochgeschnittene, schlichte Pumps mit breitem Blockabsatz, spitze Babouches von Céline oder glitzernde Sneaker-Slipper von Dior. Mit gewöhnungsbedürftigen Modellen befriedigen Designer zudem unser nie versagendes Bedürfnis nach Schuhen. Es macht eben Spaß sich über merkwürdige Entwürfe zu wundern, aufzuregen, kaputt zu lachen, und sie dann doch zu lieben. Denn wer weiß? Vielleicht treffen sich in der nächsten Saison alle mit Christopher Kane-Crocs bei den Schauen wieder.

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Versace SS 2017 © Marcio Madeira