Mode

Best-Of: Modefilme

Von , 28. November 2016

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“Gift Giving 2016: Gucci Garden” von Floria Sigismondi © Gucci

Zeit, die Flimmerkiste anzuschmeißen – oder eben Youtube. Diese Mode- und Kampagnenfilme sind wie gemacht fürs fixe Heimkino

So sehr uns Editorials auch immer wieder in ihren Bann ziehen, so stark hat sich doch der Modefilm in den letzten Jahren als visuelle Ausdrucksform für Modehäuser und Labels etabliert. Denn wenn ein Bild mehr sagen kann als tausend Worte, dann hauen uns Modefilme vor Sprachgewalt auch gerne mal richtig um. So dramatisch kommen sie daher, fast schon gewaltiger als  mancher Spielfilm, so vollgepackt in den wenigen Minuten, die ihnen zum Ausdruck zur Verfügung stehen.

Ob mit den Mitteln der Technik völlig verfremdet oder als epochales Stück, ob vor Coolness nur so strotzend oder jeder Konvention trotzend, sind diese Videos Eintrittskarten in eine so andere Welt – die sich hoffentlich mit denen des dahinter stehenden Modehauses deckt, fungieren Modefilme doch auch als immer wichtigeres Ausdrucksmittel der Markenidentität. Da werden Starregisseure engagiert, gefeierte Schauspieler verpflichtet, keine Kosten und Mühen gescheut, um uns mit großen Augen vor den Bildschirmen zurück zu lassen. Aber, es ist zum Glück nicht nur Schein, sondern auch Substanz, die man präsentiert – und von der wir uns doch gerne faszinieren lassen.

Standing Ovations, please, für diese Modefilme, die all das in sich vereinen:

“Gift Giving 2016: Gucci Garden” von Floria Sigismondi

Die Models in Guccis Gift Guide Filmkampagne treibt es nach draußen, in den Garten – und nicht in irgendeinen, sondern in eine mystische, fantastische Parallelwelt, mit Schlangen, Tigern und Schmetterlingen. Vom Garten Eden inspiriert ziehen sich Flora und Fauna nicht nur durch das Video, sondern auch über Kleidung und Accessoires, die Creative Director Alessandro Micheles Entwürfen entsprungen sind. So weit, so Gucci, so bekannt und doch immer wieder so schön, wie Micheles Visionen zum Leben erweckt werden.

“The Seven Deadly Sins of Edward Enninful” von Nick Knight für Beats

Nick Knight ist dafür bekannt, gerne mit unserer Wahrnehmung zu spielen, unsere Augen ein bisschen an der Nase herumzuführen und seine Videos nicht nur mit visuellen Knallern sondern auch bestimmten Themen vollzuladen. Für den Film “The Seven Deadly Sins of Edward Enninful”, der in Kooperation mit Beats entstand und dem Stylisten Edward Enninful gewidmet ist, nahm sich Knight den sieben Todsünden an, sprengte sie durch die Möglichkeiten des Digitalen und gab dem Produkt durch den Sound noch eine weitere Ebene, die es zu begreifen gilt.

“The Love with Which I Wash” von Harley Weir und Grace Wales Bonner

Mit Harley Weir geht es in “The Love with Which I Wash” nach Indien, auf eine Reise von Delhi bis Junagadh, und im Gepäck hat die britische Fotografin nicht nur ihre Kamera und ein offenes Auge für die indische Kultur, sondern auch die Mode der Designerin und diesjährigen LVMH-Preis-Gewinnerin Grace Wales Bonner, die mit ihren Entwürfen immer wieder die gängige Vorstellung von Männlichkeit hinterfragt. Mit ihren sehr ehrlichen, unaufgeregten und fesselnden Aufnahmen setzt sich Weir so gekonnt über das oft Glattgebügelte, Inszenierte hinweg.

„Come Together“ von H&M und Wes Anderson

Der König der symmetrischen Bildaufteilung, wohldurchdachten Farbpaletten und, zugegeben, etwas schrulligen Charaktere, Wes Anderson, hat sich mit H&M zusammengetan und präsentiert einen Weihnachtsfilm, der wohl nicht mehr aus der Feder des Regisseurs hätte stammen können. Mit Schauspieler Adrien Brody an Bord steht der Film für ein bisschen Zusammenhalt zum Jahresende auf einer Zugfahrt durchs Schneegestöber.

KENZO World – The New Fragrance von Spike Jonze

Zugegeben, so ganz normal ist der Kurzfilm zu Kenzos Duft “KENZO World” nicht, doch ist das ungewöhnlich nicht sowieso viel spannender? Hauptdarstellerin Margaret Qualley sitzt nämlich nicht nur rausgeputzt und brav beim edlen Dinner, sondern tanzt gleich danach auch ziemlich besessen durchs Bild. Da werden im Sekundentakt Grimassen gezogen, Büsten abgeleckt und auch mal eben das halbe Gebäude zerlegt. Und das alles, um das neue Parfum zu bewerben – und ganz nebenbei einen viralen Hit zu kreieren.

„Holiday Harmonies“ von Bottega Veneta

Jedes Kleidungsstück und Accessoire bringt ja ein bisschen seine eigene Welt mit – aber auch seinen eigenen Klang? Dem ist Bottega Veneta mit seinem neuen Weihnachtsfilm „Holiday Harmonies“ auf den Grund gegangen und kreiert mit Taschen, Schuhen, Düften & Co. ein festliches Mode-Konzert, das direkt in den Ateliers des Hauses in der italienischen Region Venetien aufgenommen wurde.

DIOR HOMME – A Larry Clark Project – Paris Session

Skater, Jugendkultur, rumhängen – das findet sich auf der Popkultur-Mindmap ganz nah neben “Kids”-Macher Larry Clark. Nicht überraschend also, dass der Regisseur auch in seinem Kurzfilm für Dior Homme auf diese altbekannten, altbewährten Attribute setzt. Da geht es zwar mehr um ein Feeling, als eine wirkliche Story, aber das ist schließlich auch Clarks Fachgebiet – nur kreuzen die Teenager diesmal nicht in schlabbrigen Shirts unsere Wege, sondern in feinstem Zwirn aus dem Hause Dior. Ihrer Lässigkeit tut das allerdings keinen Abbruch.

“The Tale of Thomas Burberry” von Asif Kapadia

Fast mehr wie ein Trailer für einen fulminanten Kinostreifen als ein dreiminütiger Modefilm mutet “The Tale of Thomas Burberry” an – und der erste Gedanke beim Gucken ist auch gleich, wie aufwändig wohl die Realisation dieses Projekts gewesen sein muss. Dann aber wird man mitgenommen in eine Geschichte rund um Burberrys Gründer Thomas Burberry, die vor Dramatik und hochkarätiger Besetzung nur so strotzt. Domhnall Gleeson und Sienna Miller geben sich die Ehre, und hauchen Burberry ein bisschen Hollywood ein.

“Double Life” von Fay

Sind wir alle nur Charaktere, die in einem großen Film mitspielen? Dieser Frage hat sich Fay für seinen Kurzfilm “Double Life” angenommen. Ein Doppelleben, dass die Charaktere zuhause ganz sie selbst, in der Öffentlichkeit dann aber nur die Version ihrer Person sein lässt, die von ihnen erwartet wird. Dafür engagierte Fay Sistine Stallone, Tochter von Sylvester Stallone, als Muse eines Regisseurs, die vielleicht mehr Wunschvorstellung als Realität ist.