Mode

Style-Interview: Linda Tol

Von , 11. January 2017

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Sie zählt zu den beliebtesten Street Style-Motiven und spricht auf Instagram zu einer 290.000 Follower starken Fangemeinde: Linda Tol gehört zur Riege der einflussreichsten Social Media-Modestimmen. Wir trafen die niederländische Wahl-Mailänderin in Los Angeles – ein Gespräch über Stil, das Phänomen “Online Influencer” und Hollywoods kulinarischen Walk of Fame

Wie bist du zur Mode gekommen?
Ich habe einige Zeit bei einer der größten PR-Agenturen Amsterdams gearbeitet, im Bereich Styling und Kommunikation. Während meines Jobs habe ich immer wieder Menschen getroffen, die mich darin bestärkten, mein Gefühl für Mode und Stil professionell auszubauen. Nach drei Jahren habe ich mir schließlich ein Herz gefasst und mein eigenes Blog gegründet.

Heute bist du ein gefragtes Gesicht der Street Style-Fotografen. Wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Als androgyn mit einem femininen Twist. Ich mag es, zwei völlig verschiedene Stile in einem Look zu kombinieren.

Wer ist deine Stilikone?
Ich habe sogar mehrere! Ich liebe den Stil von Leandra Medine, Evangelie Smyrniotaki, Pernille Teisbaek, Véronique Tristram, Gilda Ambrosio und Jan-Michael Quammie. Sie stylen die Trends und Key-Pieces der Saison auf eine sehr einzigartige Art und Weise, mit sehr viel Persönlichkeit.

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Welche sind deine aktuell liebsten Labels oder Designer?
Balenciaga, Y/Project, LoeweVetements, Jacquemus, Ellery, Magda Butrym, Céline und Miu Miu.

Auf deinem Instagram-Account bezeichnest du dich als „Online Influencer“ – was genau verbirgt sich hinter diesem neuen Phänomen?
Es ist schwierig, meine Tätigkeit zu definieren, da sie so vielfältig ist. Ich bin Markenbotschafterin für diverse Brands, kreiere Konzepte, arbeite als Social Media-Beraterin, spreche auf Veranstaltungen über meine Erfahrungen, bin Trend-Watcher und werde als Model für Kampagnen und Lookbooks gebucht. Außerdem werde ich für diverse internationale Magazine angefragt. Auf meinen sozialen Kanälen kommen all diese Tätigkeiten zusammen. Mit meiner Reichweite habe ich die Möglichkeit, das Kaufverhalten und die modischen Entscheidungen meiner Follower zu beeinflussen.

Was ist dein Standpunkt in der “Modeblogger vs. Modejournalisten”-Debatte?
Ich habe das Gefühl, dass viele Journalisten unseren Job nicht verstehen. Dabei sollten wir uns lieber miteinander verbünden, als gegeneinander zu kämpfen.Tatsächlich machen wir weitaus mehr als täglich unsere Outfits zu fotografieren. Modeblogger oder Influencer zu sein ist schließlich ein richtiger JobIch bin nicht über Nacht Online-Influencer geworden und es hat ganze drei Jahre gedauert, bis ich von meiner Tätigkeit leben konnte. Klar, wir bekommen viele Klamotten geschenkt. Und ja, es stimmt, dass uns Labels dafür bezahlen, ihre Kleidungsstücke zu tragen. Aber in Magazinen und deren Advertorials funktioniert es doch ähnlich, oder? Ich jedenfalls versuche, hierbei immer transparent zu bleiben.

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Welchen Modeblogs oder Instagram-Accounts folgst du persönlich?
Modeblogs lese ich ehrlich gesagt gar nicht mehr. Aber ich habe einige Lieblings-Accounts auf Instagram, wie zum Beispiel Styleheroine, Alwaysjudging, EleonoracarisiCamillecharriereManrepellerLovers & Drifters ClubMajawyhFliickmanCntraveler und Pandorasykes.

Deine drei Lieblingsteile im Kleiderschrank und was macht sie so einzigartig?
Definitiv meine Chanel 2.55. Ich habe sie an meinem 21. Geburtstag gekauft, nachdem ich monatelang für sie gespart hatte. Außerdem besitze ich eine Vintage Levi’s Jeans, die perfekt sitzt und zu allem passt. Der schwarze Saint Laurent Blazer ist mein Go-to-Kleidungsstück, wenn ich nicht weiß, was ich anziehen soll. Man kann ihn immer und überall tragen.

Auf welche Teile hast du es in diesem Winter abgesehen?
Auf meiner Shopping-Liste stehen eine Shearling Jacke und die “Bazar Strap Clutch” von Balenciaga, ein asymmetrischer, karierter Wollrock von Jacquemus und die schwarzen Ankle Boots mit blauem Heel von Vetements.

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Wie lautet deine Trend-Prognose für Spring/Summer 2017?
Wir werden viel “Shocking Pink” sehen, und zwar in den verschiedensten Ausführungen – von “Candy Pink” über “Baby Pink” bis hin zu dunkler Kirsche und Himbeere. Siebzigerjahre-Prints bleiben. Und übergroße Schultern kommen. Außerdem wird der Trench-Coat zurückkehren.

Und welches Item verdient sein baldiges Mode-Comeback?
Slap Bracelets!

Du bist vor kurzem von Amsterdam nach Mailand gezogen. Was sind die größten Stil-Unterschiede zwischen den beiden Städten?
Amsterdam ist sehr casual. Das Wetter ist unberechenbar, also sollte man immer auf alles vorbereitet sein – unabhängig von der Saison. Sweaters, lange Wollmäntel, Sneakers und natürlich Jeans. Alles in basic Farbtönen, wie Blau, Schwarz, Beige oder Grau. Mailand ist viel chicer. Und die Italiener lieben Prints und Farben. Das ist der größte Unterschied zu Amsterdam. Mein Stil ist tatsächlich ein Mix aus beiden Welten. Ich liebe das Spiel mit Prints und Farben, aber meine Silhouette bleibt dabei immer clean. Wenn ich ein Kleid trage, dann kombiniere ich es mit Sneakers. Meine Looks haben immer einen androgynen Touch.

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Ein niederländisches Label, das wir auf dem Schirm haben müssen?
Ronald van der Kemp!

Welche ist für dich die aktuell spannendste Modestadt?
New York. Die Energie der Stadt ist magisch. Du siehst so viele verschiedene Leute, Nationalitäten und Stile. Es ist wirklich beeindruckend, wie dort alles zusammenfindet. Ich liebe die Lebenseinstellung der New Yorker. Kopenhagen ist ebenfalls sehr spannend. Ich habe die Stadt während der letzten Kopenhagen Fashion Week für mich entdeckt. Ich liebe den Stil der Skandinavier. Sie wagen es, mit Prints und Farben zu spielen, tun dies aber in einer sehr cleanen, subtilen Art und Weise. Für mich hat das etwas sehr neues, innovatives.

Was sind deine Lieblingsspots in Los Angeles?
SQIRL (720 N Virgil Ave #4, Los Angeles)
Hier unbedingt die “Sorrel Pesto Rice Bowl” probieren. Mein Lieblingsort für Frühstück und Lunch.

THE SYCAMORE KITCHEN (143 S La Brea Ave, Los Angeles)
Ich liebe die Salate!

SILVER LAKE RAMEN (2927 Sunset Blvd, Los Angeles)
Eine der besten Ramen, die ich je probiert habe.

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GRACIAS MADRE (8905 Melrose Ave, West Hollywood)
Ein veganer Mexikaner. Gutes Essen, ausgefallene Cocktails und eine wunderbare Atmosphäre.

VERVE COFFEE (8051 W 3rd St, Los Angeles)
Der Kaffee schmeckt super, schöne Location – perfekter Ort zum Arbeiten.

BACKYARD BOWLS (8303 Beverly Blvd, Los Angeles)
Die leckersten Acai Bowls in Los Angeles.

CAFE VIDA (9755 Culver Blvd, Culver City, CA 90232)
Ich kann LA nicht verlassen, ohne wenigstens einmal die “Organic Brown Rice Pancakes” gegessen zu haben.

BEVERLY HILLS JUICE CLUB (8382 Beverly Blvd, Los Angeles, CA 90048)
Das “Banana Manna Shake” ausprobieren. Die Mischung mit dem grünen Saft ist großartig.

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MARVIN (8114 Beverly Blvd, Los Angeles, CA 90048)
Tolles Ambiente und die Pizza aus Robertas Holzofen schmeckt himmlisch – vertraut mir einfach, ich lebe schließlich in Italien.

SWEET LADY JANE BAKERY (8360 Melrose Ave, Los Angeles)
Ich behaupte, dass sie den besten Kuchen der Stadt haben.

SUGARFISH (101 S La Brea Ave, Los Angeles, CA 90036)
Super frische, ausgefallene Kreationen. Selten so gutes Sushi gegessen!

Danke für das Gespräch!

Fotos: Renwe Jules

lindatol.com // instagram.com/lindatol