Mode

Marcus Kurz über den Berliner Mode Salon

Von , 21. January 2016

Odeeh ©Stefan Kraul
Odeeh ©Stefan Kraul

Ein Gespräch mit dem Co-Founder des Berliner Mode Salons über den deutschen Modenachwuchs, Förderungsmöglichkeiten und Berlin als Modestandort

Kurz vor der Eröffnung des zweiten Berliner Modesalons haben wir Marcus Kurz, Inhaber der Berliner Agentur „Nowadays“, Mitbegründer des Berliner Mode Salons und Vorstandsmitglied des Fashion Council Germany (FCG), zu einem Interview gebeten.

Welche Idee steckt hinter dem Berliner Modesalon?

Christiane Arp und ich haben den Berliner Mode Salon ins Leben gerufen, da wir mit der aktuellen Situation in Deutschland unzufrieden waren: Der Glam der Fashion Week hat abgenommen, große Labels sind abgewandert, die Plattform die da war, haben wir als nicht richtig empfunden. Zudem hat sich Christiane gefragt, wo sie ihre Newcomer im Anschluss an den Vogue Salon hinschicken soll – dort ist die Teilnahme für Modedesigner auf vier Saisons limitiert, für Accessoire Designer auf zwei Saisons. Diese Designer können dann im Mode Salon zeigen. Hier wollen wir deutsches Modedesign sichtbar machen, seine Erkennbarkeit und Stärke unterstreichen und zwar als Kollektiv. Dies machen wir auf einer Bühne, die etablierte Designer und Jungdesigner in einem gemeinsamen Rahmen präsentiert und die sowohl Einkäufern als auch der Presse als Veranstaltung zugänglich ist. Wir wollen zeigen, dass man sich gemeinsam anders positionieren kann, als jeder für sich alleine.

Wie sind die Designer in den Salon eingebunden?

Der Unterschied zu einer klassischen Modemesse oder einem Showroom und uns ist, dass wir die Designer direkt auswählen. Wir treten also nicht als bloßer Vermieter von Quadratmetern auf, sondern präsentieren das, wofür wir stehen: Deutsches Modedesign. Für den Mode Salon kann man sich nicht bewerben – wir beobachten die Entwicklung der einzelnen Designer und laden sie ein, an dem Salon teilzuhaben. Das Besondere ist, dass wir die Designer von Anfang an in unsere Pläne involviert, mit ihnen erörtert haben, ob das Format des Mode Salons die Richtung ist, die alle für gangbar halten. Bei den ersten Gesprächen waren damals z. B. Valentin von Arnim, René Storck, Andrea Karg von Allude, Jörg Ehrlich von Odeeh, Perret Schaad, Dawid Tomaszewski und Hien Le dabei. Diese Designer haben wir explizit danach gefragt, ob sie den Mode Salon als eine Möglichkeit betrachten, (wieder) in Berlin stattzufinden.

Dies tun sie dann in Form von Defilees oder Installationen, richtig?

Genau. Der Berliner Mode Salon ist ein hybrider Ort, an dem Defilees, Installationen und die Gruppenpräsentation gebündelt werden. Die Facetten des Hauses, die wir bespielen können, sind sehr limitiert was die Publikumsgröße angeht und zugleich sehr konzentriert was die Designeranzahl und deren Kollektionsaussage betrifft. Wir appellieren an unsere Designer, sehr skeptisch auf ihre diesjährige Kollektion zu gucken, sich auf die Kernaussage zu konzentrieren und für sich herauszufinden, was für sie die richtige Präsentationsform ist. Man muss nicht immer in riesengroßen Shows denken. Manchmal hat man von einer Präsentation von sechs bis acht starken Looks vor relevanten Pressevertretern und Einkäufern mehr als von einer dreißig Looks starken Modenschau, zu der man achthundert Gäste einlädt.

Marcus Kurz ©Der Berliner Mode Salon
Marcus Kurz ©Der Berliner Mode Salon

Geht die Betreuung der Designer auch über das Event des Mode Salons hinaus?

Wir stehen den Designern in einem losen Austausch immer beratend zur Seite. Jedoch ist der Plan des Einzelnen oftmals zu individuell, um dort wirklich in die Tiefe zu gehen: Die einen planen nach Mailand zu gehen, die anderen nach Paris, die nächsten bleiben hier. Wir können lediglich den Veranstaltungsrahmen des Salons verlängern – zum Beispiel indem wir den Designern die Möglichkeit geben, uns zu unserem Mode Salon nach Paris zu begleiten, wie in diesem Jahr am 03. März. Außerdem findet parallel zum Salon als Business-Plattform der Pop-Up Shop im KaDeWe statt, wo die Kollektionen von 27 unserer 40 Designer sechs Wochen lang präsentiert und verkauft werden.

Wie hat das beim letzten Mal funktioniert?

Es gab ein wahnsinnig gutes Feedback aus dem Haus und auch von den Designern, denn die haben gesagt: „Wir wissen jetzt in kürzester Zeit ob unsere Mode angenommen wird und ob sie funktioniert“. Das Besondere und neue daran ist, dass diese Designer zeitgleich in der Presse bzw. auf einer Business-Plattform als auch beim Endkonsumenten stattfinden. Natürlich mit dem Unterschied, dass die Kollektion für Sommer 2016 verkauft wird.

Was ist das Feedback der Einkäufer zum Mode Salon?

Das Feedback ist sehr gut – ich höre oft, dass die Einkäufer den Salon für einen wichtigen Schritt in der deutschen Mode halten. Die Gruppenausstellung ermöglicht es ihnen, innerhalb von vier Stunden eine Aussage zu deutschem Modedesign treffen zu können und zu wissen, wer und was in der kommenden Saison wichtig wird – ohne dafür drei Tage unterwegs sein zu müssen und von einer Veranstaltung zur nächsten zu hetzen. Dadurch, dass wir junges und etabliertes Design nebeneinander präsentieren, bekommen die Einkäufer außerdem eine sehr klare Idee davon, wie sie dies in einer ähnlichen Art und Weise in einem Onlineshop oder stationären Handel als Corner präsentieren könnten.

Und was sagt die Presse?

Zu Anfang haben viele gedacht, dass es sich bei dem Mode Salon um eine Vogue-Veranstaltung handelt, an der andere Verlage nicht teilnehmen sollen. Das hat uns zunächst wirklich Aufklärungsgespräche gekostet, in welchen ich Redakteuren erklären musste, dass es hier nicht um Vogue oder Condé Nast geht. Der Mode Salon ist eine unabhängige Veranstaltung, zu der alle Medien eingeladen sind. Die deutsche Mode ist darauf angewiesen, in der Berichterstattung aller Verlage zu passieren. Ich würde mir wünschen, dass wir da auch weiterhin alle an einem Strang ziehen und uns gemeinsam für unsere Designer stark machen.

Schumacher ©Alexandra Zhovtenko
Dorothee Schumacher ©Alexandra Zhovtenko

Wie bewertest du die Berliner Modeszene?

Der Mode Salon bezieht sich ja nicht ausschließlich auf Berlin, sondern auf deutsche Mode. Natürlich ist es so, dass Berlin sich in den letzten Jahren zu einer Art Modemetropole entwickelt oder auch als präferierter Modestandort für Designer herausgestellt hat. Ich finde es verständlich, dass nach den Musikern und Künstlern auch die Modedesigner nach Berlin ziehen, um sich hier Inspirationen und Impulse für ihre Kollektionen zu holen. Dieser mannigfaltigen Input, den die Stadt hergibt, lässt sich auch in den Kollektionen wieder erkennen.

Welche Designer aus Berlin haben es deiner Meinung nach weltweit geschafft und wer von den Nachwuchsdesignern, die beim Mode Salon zeigen, haben das Zeug dazu?

Jemand, der sich wirklich sehr gut etabliert und international positioniert hat, ist Lala Berlin. Leyla weiß, dass das Business wichtig ist – sie hat einen eigenen Onlineshop, einen eigenen Blog, erste Expansionsgedanken nach Skandinavien oder auch Paris. Auch von den jungen Designern haben extrem viele das Potential, international erfolgreich zu sein – zumindest von modischer Seite gibt es hier keine Einschränkungen. Das Manko bezüglich einer geplanten Expansion sehe ich bei vielen eher auf finanzieller und kaufmännischer Seite liegen. All diese Designer müssen ihre Kollektionen in einer schnellen Taktung designen, präsentieren, produzieren, verkaufen – wir sprechen hier von Teams, die zwischen zwei und fünf Mann groß sind. Dieser unheimliche Aufwand und finanzielle Druck erschwert es vielen, wirklich bedacht den nächsten Schritt gehen zu können, ohne dabei Angst haben zu müssen, dass es auf ihre Existenz ankommt. Genau da muss man die Jungdesigner an die Hand nehmen, sie an Themen wie Liquiditätsplanung, kaufmännische Planung, Produktion und Auslieferung heranführen.

Müsste sich da nicht in der Ausbildung in Deutschland grundlegend etwas ändern?

Im Vergleich zum europäischen Umland gibt es in Deutschland wahnsinnig viele und wahnsinnig gute Ausbildungsstätten, die Jahr für Jahr vielversprechende Talente hervorbringen. Deren zentrale Fragen sind oftmals diese: „Wie geht es jetzt weiter? Welche Möglichkeiten habe ich? Wie baue ich mein Label auf? Bin ich vielleicht besser in einem großen Modehaus als Head of Design aufgehoben?“ Daher ist es wichtig, dass den Absolventen der Übergang ins Berufsleben erleichtert – und zwar mit Informations- und Austauschmöglichkeiten von Seiten der Stadt, des Bunds und vor allem seitens des Fashion Council Germany. Bei dem Thema Nachwuchsförderung geht es schlichtweg um die zentrale Frage, was das Modedeutschland in zehn Jahren international darstellen soll.

Hien Le ©Stefan Kraul
Hien Le ©Stefan Kraul

Was ist eigentlich die Aufgabe des FCG und wie hängen das Council und der Mode Salon zusammen?

Grundsätzlich gibt es da keine direkten Zusammenhänge. Der Salon ist eine Darstellungsplattform für deutsches Modedesign – jedoch als eigenständiger Rahmen und nicht etwa als verlängerter Arm des Fashion Councils. Das FCG wiederum ist ein eingetragener Verein und damit ein Förderkreis, der in erster Linie viel Lobbyarbeit im Politik- und Kulturbereich leisten muss, um die Nachwuchsförderung im Bereich Modedesign voranzutreiben. Bislang ist Mode kein großes Agenda-Thema in der Politik – dies will das Council ändern. Außerdem stehen wir in engem Kontakt mit internationalen Councils, wie z. B. das British Fashion Council, die Camera de la Mode oder die Chambre Syndicale de la Haute Couture. Das FCG ist für all diese Stakeholder der erste Ansprechpartner in Sachen deutsches Modedesign. Wir könnten uns auch eine Kooperation zwischen den einzelnen Councils in einem europäischen Council vorstellen, in dem sich die einzelnen Länder hinsichtlich der Förderung von Jungdesignern abstimmen und sich für den Schutz des Modedesigns als europäisches Kulturgut gegenüber anderen Märkten einsetzen.

Wie sieht diese Nachwuchsförderung konkret aus?

Wir wollen es talentierten Modedesign-Absolventen erleichtern, ihren Weg ins Business zu finden. In den letzten sechs Monaten hat das Council Nobi Talai und Marina Hoermanseder im Rahmen des Fellowship Programms unterstützt – in Form von verschiedenen Workshops mit Mentoren aus den Bereichen Retail, Online, PR und Produktion, die ihnen einen guten Einblick in die Aufbauarbeit ihrer Firmen gegeben haben. Im September waren sie über das FCG im Berliner Modesalon in Paris eingeladen – dort haben sie dann relativ schnell für ihre junge Karriere Karl Lagerfeld die Hand geschüttelt und ein paar Geschäftskontakte geknüpft. Auch in diesem Jahr wird es eine neue Bewerbungs- und Förderungsrunde mit neuen Designern geben, die das Council dann für ein Jahr begleitet und sie in ihrem Business-Aufbau und ihrer Positionierung unterstützt.

Wie gehts in Zukunft weiter mit dem Mode Salon?

Es gibt schon einige Ideen und neue Formate, die vom Salon abgeleitet werden. Da wir eine enorme Nachfrage von Seiten der Herrendesigner verspüren, wäre es ein logischer nächster Schritt, diese künftig mit aufzunehmen. Platztechnisch müssten wir uns also etwas vergrößern. Neben der Gruppenausstellung werden wir die Modenschau- und Installations-Plattform auf jeden Fall so beibehalten. Außerdem werden wir unsere Aktivitäten im Retail weiter ausbauen. Hinsichtlich der Präsentation des deutschen Designs in Paris werden wir zukünftig in Richtung Showroom denken – denn die Nachfrage ist groß. Dieses Konzept kann man natürlich auch auf andere Länder wie China oder Italien übertragen. Auch nach diesem Salon werden wir wieder eine kleine Feedback-Runde mit unseren Designern machen, uns besprechen und dann gemeinsam den nächsten Schritt gehen. So haben wir es bisher gehandhabt und so würden wir es gerne weiterführen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Der Berliner Mode Salon Fall/Winter 2016 ©Stefan Kraul
Der Berliner Mode Salon Fall/Winter 2016 ©Stefan Kraul