Mode

Zweite Haut

Von , 15. September 2016

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© Wolford

Bodies, Bodies Bodies!“: Grit Seymour, Kreativdirektorin von Wolford, über ihre Mode-Ausbildung in der DDR und die ständige Verbesserung der Strumpfhose

Auch wenn sie sich meistens eher unauffällig verhält: Die Strumpfhose ist vermutlich eines der wichtigsten und unverzichtbarsten Stücke im Kleiderschrank vieler Frauen. Je nach Design und Dichte gibt sie einem grauen Kostüm den entscheidenden Twist, entschärft den Minirock und sorgt dafür, dass man das leichte Chiffonkleid auch im November noch tragen kann. Eine anständige Strumpfhose begleitet so manche Frau täglich durchs Leben, und so lohnt es sich, in ein hochwertiges Modell zu investieren. Designerlabels wie Christian Dior oder Vivienne Westwood verlassen sich für ihre Looks auf „Legwear“ von Wolford.

Die österreichische Firma begann ihre Geschichte 1950 in Bregenz mit der Herstellung von Strumpfhosen aus Seide und Rayon. Heute ist das Unternehmen ein Fashionlabel mit allem drum und dran, neben Strumpfwaren und Lingerie entwirft man eigene Ready-to-Wear, Strickmode und Accessoires. Die kreative Denkerin und Managerin hinter allen Linien: Grit Seymour, die vor zwei Jahren zur Kreativdirektorin von Wolford ernannt wurde. Die gebürtige Hallenserin arbeitete bei Marken wie Max Mara und Donna Karan, leitete die Modelinie von Daniel Hechter und entwarf die erste Damenkollektion für Hugo Boss. Bis zu ihrer Berufung zu Wolford lehrte sie an der Berliner Universität der Künste, wo sie selbst einst nach ihrer Ausbildung und dem Studium in Ost-Berlin weiterstudiert hatte.

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© Wolford

Gleich nach dem Abitur absolvierten Sie eine Schneiderausbildung in Ihrer Heimat in der DDR. Wie sind Sie zur Mode gekommen, was hat Sie an dem Beruf interessiert?
Ich hatte diese Passion schon als Kind. Es gibt ein Foto, auf dem ich als Dreijährige mit nackten Puppen abgebildet bin. Ich hatte sie ausgezogen, weil ich ihre Bekleidung nicht mochte. Bald darauf lernte ich Stricken, Häkeln, Nähen, Weben, Sticken, Makramee. Und so kleidete ich meine Puppen mit meinen eigenen Entwürfen neu ein.
Als ich dann zwölf Jahre alt war, stand ich das erste Mal als Model vor der Kamera. Mit 14 begann ich, professionell zu modeln. Mit 18, parallel zu Schneiderlehre und Grafik-Abendstudium, kleidete ich Rockbands und Schauspieler ein und entwarf eigene Mode, die meine Modelkolleginnen vorführten. Mode ist meine Sprache, meine Art zu kommunizieren.

Nach Ihrer Schneiderausbildung studierten Sie Mode an der Hochschule für Gestaltung in Weißensee, modelten für die „Sybille“, der wichtigen Frauenzeitschrift der DDR. Wie haben Sie diese Erfahrungen mit Mode in Ost-Berlin geprägt?
Ich bin in einer diktatorischen Mangelwirtschaft groß geworden, oftmals frei von Schönheit und Ästhetik. Das hat in mir ein großes Verlangen nach Schönheit und Freiheit geweckt. Ich habe gelernt, sehr erfinderisch zu sein, um das Unmögliche möglich zu machen.

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Grit Seymour © Wolford

Die ersten Ergebnisse Ihrer Arbeit für Wolford waren in der Spring-Summer-Kollektion 2016 zu sehen. Was haben Sie seit Ihrem Antritt bei Wolford sowohl in den Kollektionen als auch beim Markenauftritt konkret verändert?
Gerade haben wir unsere neue Fotokampagne veröffentlicht, in Berlin am Kurfürstendamm ein neues Shop-Konzept eröffnet, ab Oktober geht außerdem unser neuer Online-Auftritt live. Für mich sind feminine Leichtigkeit, Balance zwischen Natur und Technik, Komfort und Selbstbewusstsein die Werte, mit denen ich ein Wolford-Produkt entwerfe. Ich habe zum Beispiel die Wolford-typischen körpernahen Silhouetten in Naturfasern umgesetzt. Der Wolford-Look soll multifunktional und „24/7“ einsetzbar sein, und um ihn zu komplettieren habe ich losere, hülligere Silhouetten in Merino hinzugefügt.

Bevor Sie zu Wolford kamen haben Sie klassische Prêt-à-porter für verschiedene Modehäuser entworfen. Was würden Sie sagen sind nun für Sie die größten Unterschiede zwischen dem Entwerfen von Strumpfhosen und Unterwäsche für Wolford, und dem Entwerfen von Prêt-à-porter?
Design ist für mich Emotion: Stimmung, Gefühl,  Farbe, Licht, Proportion, Material, Funktion, Dekoration. Technik, Ästhetik. Wenn all das in einer interessanten Weise zusammenkommt, entsteht gutes Design. Dabei gibt es für mich keinen Unterschied zwischen einer Sonnenbrille, einer Strumpfhose oder einem Ladenbaukonzept.
In meinen früheren “Prêt-a-porter”-Stationen gab es zudem immer schon Hosiery, also eine Strumpfhosen-Linie und Lingerie. Donna Karan zum Beispiel führte beide Gruppen, bei Eres gab es Swimwear und Lingerie. Ich hatte schon immer ein Faible für Strick, Jersey- und Stretch-Materialien.

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© Wolford

Wie haben sich die Ansprüche der Kundinnen an Strumpfhosen und Dessous im Laufe der vergangenen Jahre verändert?
Die Wolfordkundin liebt Luxus, Qualität UND Komfort. Niemand ist mehr bereit, auf eines dieser Elemente zu verzichten.

Was findet eine Frau in der Ready-to-Wear von Wolford, das sie sonst nirgendwo findet?
Bodies, Bodies, Bodies! Unsere körpernahe, komplett nahtlose Prêt-a-porter ist die perfekte Basis für jeden Look. Jedes Teil steht für sich und kann gleichzeitig mit allen anderen durch Layering kombiniert werden.

Wie kann man ein Produkt wie eine Strumpfhose, das seit Jahrzehnten existiert, heute noch verbessern und weiterentwickeln?
In der Geschichte von Wolford gibt es einige Beispiele, wie das Unternehmen die Strumpfhose kontinuierlich erneuert hat. Wolford hat 1974 die erste Shapewear-Strumpfhose “Miss W” lanciert. Vor 20 Jahren kreierte man die erste komplett nahtlose Strumpfhose “Fatal 50”, und vor zwei Jahren hat die Marke die erste geklebte Strumpfhose “Pure 50” patentiert. Gemeinsam mit unserer Research- und Development-Abteilung tüftle ich nun an den nächsten Meilensteinen.

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