Mode

Interview: RANKIN

Von , 16. March 2017

 

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Epitaph II, 2013 © Rankin

Ein Gespräch mit dem britischen Fotografen Rankin über Popkultur, Magazine und seine aktuelle Ausstellung

Was einem nach einer Unterhaltung mit dem britischen Fotografen Rankin als allererstes wieder in den Kopf kommt? Seine Ehrlichkeit und gnadenlose Reflexion sich selbst gegenüber. Wahrscheinlich auch weil solche Tugenden generell eher rar gesät sind.
Wir sitzen in der CWC Galerie in Berlin, seine neue Ausstellung hat gerade eröffnet, die Werke stehen zum Verkauf. Ein Mix aus Retrospektive und „Selling Show“. „Leute scheinen oft ein Problem damit zu haben, ihre Ausstellungen als „Selling Shows“ zu bezeichnen. Ich verstehe das überhaupt nicht.“ Neben uns hängen die Portraits von einem exzentrischen David Bowie, einer angezogenen Monica Belluci, einer nackten Kate Moss und einer splitternackten Tuuli Shipster, Rankins Ehefrau. Die Themen Sex und Frauen sind in Rankins Portfolio nicht zu übersehen und auch eine gewisse Oberflächlichkeit und Direktheit, mit der er durch das Objektiv schaut, nicht zu leugnen. So ehrlich wie im Gespräch ist er eben auch mit seiner Kamera. Aber genau das macht ihn spannend. Rankin selbst ist Pop und seine Fotografien seit Dekaden eine ungelogene und ungeschminkte Dokumentation unseres popkulturellen Zeitgeistes.

Kuratieren Sie Ihre Ausstellungen selbst oder präferieren Sie es, das jemand anderem zu überlassen?
Das kommt darauf an und hat sich mit der Zeit auch ziemlich geändert. Ich selbst habe schon immer thematisch gearbeitet, das heißt die meisten meiner Arbeiten sind gruppiert. Es ist mir lange unglaublich schwer gefallen, mich davon zu lösen. Irgendwann dann kam der Punkt, an dem ich viel gelassener wurde, was solche Prozesse angeht. Diese Show hier, habe ich nicht selbst kuratiert.

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Rankin

Diese Ausstellung hat einen retrospektiven Ansatz oder?
Ja, sie ist so etwas wie ein Greatest Hits Album. Im Grunde ist die Ausstellung dafür da Werke zu verkaufen. Über diese Arbeiten habe ich schon hunderte Male gesprochen, sie hunderte Male gesehen, sie gehören zu den bekanntesten meines Portfolios. Klar liebe ich sie, aber sie stehen eben auch zum Verkauf. Leute scheinen oft ein Problem damit zu haben, ihre Ausstellungen als „Selling Shows“ zu bezeichnen. Ich verstehe das überhaupt nicht. Und um auf die Kuration noch einmal zurückzukommen: Bei einer „Selling Show“ macht es nicht viel Sinn, die eigenen Arbeiten zu kuratieren. Die Hängung soll vor allem den Betrachter uns Besucher ansprechen und nicht nur mich. Es ist spannend zu sehen, wie jemand anderes meine Fotografien interpretiert und gruppiert. Ich bin in diesem Fall viel zu nah dran.

Und wen fragen Sie, wenn Sie nach Rat suchen?
Ich schätze meine engen Leute um mich herum, da sie immer eine klare, eigene Meinung haben. Und zum Glück bin ich mittlerweile so weit, mir selbst zu vertrauen – ein bisschen mehr: „Fuck you if you don’t like it“ als früher.

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Hundreds&Thousands, 2006 © Rankin

Sie sagten vorhin bereits, dass Sie mittlerweile viel gelassener sind. Wie waren Sie denn früher?
Ich war ein Albtraum.

 Okay, das ist eine harte Wortwahl…
Nun ja, ich war eben ein recht schwieriger Charakter. In meiner Arbeit, aber auch im Leben. In der Liebe, mit Beziehungen, mit Drogen, im kreativen Prozess. In allem. Ich war zu dogmatisch, zu starr in meinen eigenen Denkmustern. Ich glaube, dass vieles mit meiner Unsicherheit zu tun hatte. Ich komme aus einer Familie ohne kreativen Hintergrund und meinen ersten Kontakt mit Fotografie hatte ich durch meine damalige Freundin. Sie zeigte mir diese ganzen Magazine wie die „Elle“ oder die „Vogue“. Das waren meine Inspirationsquellen, daher kam mein Verständnis für Mode und Fotografie. Als ich mit 19 nach London zog war ich eine leere Leinwand und alles was ich machte, geschah sehr instinktiv und naiv.

Bereuen Sie irgendetwas davon?
Nein. Ich bereue es, wenn ich mich anderen Leuten gegenüber nicht korrekt verhalte. Aber mir selbst gegenüber bereue ich nichts. Ich habe mich noch nie zu ernst genommen und am Ende kann ich mir wenigstens nicht vorwerfen, nicht meinen eigenen Weg gegangen zu sein.

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Gisele Sparkley II, 1998 © Rankin

Vielleicht funktioniert auch deshalb die wichtige Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Jefferson Hack, ihrem Freund und Mitgründer des Magazins Dazed&Confused und Another Magazine, so gut, oder? Sie haben ihre Beziehung zu ihm schon öfters als sehr gegensätzlich beschrieben.
Klar. Jefferson las immer Bücher und ich schaute immer fern. Daraus ergab sich dann die perfekte Mischung jener Popkultur, die wir in unseren Magazinen zeigen wollten.

Nach „Dazed&Confused“ und „Another Magazine“, gründeten Sie 2011 „Hunger Magazin“. Was reizt Sie so sehr an der Magazinkultur?
Ich habe schon immer Kunstbücher geliebt. Du konntest in eine Bibliothek gehen und dir die grandiosesten Kunstwerke aus Büchern herausreißen, um sie danach bei dir zu Hause an die Wand zu hängen. Magazine sind die logische und moderne Fortführung davon. Eine billige Art der Massenproduktion und Reproduktion, die für ein so viel größeres Publikum zugänglich ist als beispielsweise Ausstellungen und Shows. Das Magazin als Medium an sich ist ja schon eine Form der Popkultur. Das hat mich schon immer ungemein gereizt.

Was halten Sie von der Auffassung, dass Print tot ist?
Es kommt darauf an, was man aus dem Medium macht. Es sollte ums Neuerfinden und nicht ums Nachahmen gehen.

Vielen Dank für das Interview!

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Touch Your Toes, 1996 © Rankin

Die Ausstellung “Rankin” läuft noch bis zum 01. April 2017 in der CWC Gallery in Berlin