Mode

Chanel Métiers d’Art: Puttin’ On the Ritz

Von , 8. December 2016

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Lily-Rose Depp © Chanel, Anne Combaz

In ihrer Kolumne berichtet Lisa Feldmann regelmäßig aus ihrem Leben als L’Officiel Chefredakteurin – diesmal von der Chanel Métiers d’Art in Paris

Wenn wir Bücher von Scott Fitzgerald lesen, wenn Woody Allens letzter Film die „Café Society“ der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts beschwört, wenn es immer und immer wieder darum geht, eine Zeit herbeizusehnen, die die Welt als exklusiv, glamourös und grande zeigt, dann gibt es zumindest in der Modewelt nur noch einen, der solch ein Universum kreiert: Karl Lagerfeld inszeniert für Chanel mit jeder Kollektion einen Traum, der nach den Maßstäben unserer Zeit schlicht nicht wahr sein kann.

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Karl Lagerfeld © Chanel, Anne Combaz

Als Dienstagabend das letzte von insgesamt drei Defilées seiner „Métiers d’Art“– Kollektion durch die Tischreihen des Wintergartens, der Bar und der diversen Restaurants im Hotel Ritz in Paris schwebte, tanzte, flanierte, da saß Lagerfeld selbst unter seinen illustren Gästen. Am Tisch mit den Vogue-Filmstars Franca Sozzani und Anna Wintour, Fürstin Caroline von Hannover nebst Tochter und den Weggefährten Amanda Harlech und Erich Pfründer.

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Métiers d’Art Kollektion © Lotti Moss

Serviert wurden auserlesene Speisen in drei Gängen (mittags hatte es einen exzellenten Lunch gegeben, nachmittags „High Tea“). Angekündigt wurde dies auf personalisierten Menükarten für jeden einzelnen der dreihundert Freunde. Darunter Einkäufer, Entertainer, Journalisten, Designer-Kollegen, Filmstars. You name it! Kredenzt wurden erlesene Champagner und Weine vom privaten Weingut der Chanel-Besitzer-Familie Wertheim und für den eleganten Gute-Laune Soundtrack sorgte einmal mehr Michel Gaubert. Der letzte Track des Abends? Natürlich „Puttin’ On the Ritz“ von Taco!

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Métiers d’Art © Lisa Feldmann

All das muss erwähnt werden, bevor man von der Mode spricht. Weil jedes dieser Details Karl Lagerfelds Chanel definiert. Weil niemand vor ihm – und erst recht nie wieder irgendwer nach ihm – diese Marke so genau spürt und immer wieder aufs Neue weiterentwickeln kann.
Chanel, ein Label, das den Namen einer Frau trägt, die so ganz anders war als er und die er doch zu verstehen scheint, als sei er ihrer Seele verwandt.
Die aktuelle Kollektion zelebriert beider Couture-Verständnis des Hauses. Und das quasi „Zuhause“ bei „Mademoiselle“: Coco Chanel lebte mehr als 35 Jahre im Ritz – wie praktisch, grenzt es doch mit dem Rückgebäude an ihre Ateliers in der Rue Cambon.

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Willow and Jada Pinkett-Smith © Chanel, Anne Combaz

Auf der Cocktail-Party mit dem Motto „Room Service“, die am Vorabend den Event einläutete, nippten wir mit Pharrell Williams am Champagner zu raffinierten Petit-Fours, schlenderten mit Lily-Rose Depp durch die verschiedenen Suiten des unlängst neu eröffneten Grandhotels, lauschten den Cello-Klängen einer asiatischen Solistin und gleich darauf den neuen Songs der frisch gekürten „New Fashion Icon“ Willow Smith. Mama Jada Pinkett Smith lümmelte derweil mit anderen Party-Gästen auf einem Kanapee.

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Fürstin Caroline von Hannover, Pharell Williams, Karl Lagerfeld © Chanel, Anne Combaz
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Lisa Kainde Diaz © Chanel, Anne Combaz

Die Künstlerin Oda Jaune schaute mit ihrer hübschen Tochter vorbei, deren Gesichtszüge auf rührende Weise an ihren Vater Jörg Immendorf erinnern. Blogger shooteten Selfies in aktuellen Chanel-Entwürfen vor goldenen Wasserhähnen und marmornen Badewannen. Die Zimmermädchen in adretten schwarz-weißen Uniformen sorgten dafür, dass die Location immer wieder wie unberührt wirkte.
So muss man sich die Stimmung bei Daisy Buchanans Parties vorstellen. Oder bei den Windsors, den Radziwills, der Callas. Die Welt, in der Mode zur Wegwerf-Ware für Dauer-Gelangweilte wurde, schien unendlich weit weg.

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Oda Jaune und Tochter © Lisa Feldmann

Die eigentliche Modenschau am nächsten Tag zeigte virtuos das Können der einzelnen Kunst-Handwerke und darüber hinaus den instinktsicheren, so unfassbar zeitgemäßen Geschmack Karl Lagerfelds: Overknees und oversized sind das Gebot der Stunde? Die gibt es bei Chanel jetzt in knallig rotem Leder-Patchwork und schwarz-weissem Tweed! Achtzigerjahre? Breite Schultern und dezenter Glitzer erinnerten an Lagerfelds erste große Chanel-Periode, als die Linda Evangelistas und Claudia Schiffers den Runway dominierten – jetzt wurden sie von Georgia May Jagger, Cara Delevingne oder Lottie Moss vorgeführt. Außerdem: Viel Vierzigerjahre-Feeling und feinster Strick zu Ehren von „Mademoiselle“, dann wieder Cocktail-Kleider, in denen Lily-Rose Depp ihr Laufsteg-Debüt gab. Ohne Zweifel hätten diese auch besagte Daisy Buchanan glücklich gemacht.

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Metiers d’Art Kollektion © Chanel
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Metiers d’Art Kollektion © Chanel

Wir saßen noch lange nach dem Defilee im Ritz, keiner mochte sich so recht losreißen. An der Bar, in der tatsächlich einst Zelda und Scott Fitzgerald Hof hielten und Ernest Hemingway das Ende des zweiten Weltkriegs gefeiert haben soll, blieb die Zeit einen Moment lang stehen. Keiner von uns wollte zurück in eine Welt, die nicht von Karl Lagerfeld designt wurde.

Lang lebe dieser letzte Créateur unserer Träume!