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Buchtipp: The Germans

Von , 7. June 2017

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© Foto: Peter Bischoff/Getty Images

Das neue Buch “The Germans – Stil und Ikonen einer Nation” von Silke Wichert und Nina Zywietz nimmt die Ästhetik der Deutschen unter die Lupe – ein Fluss der unterschiedlichsten Einflüsse

Eigentlich spricht ja so einiges für den deutschen Stil: Mode-Exportschlager Karl Lagerfeld verschafft Chanel in Paris seit Jahren einen nie enden wollenden Höhenflug, Jil Sander prägte mit ihren minimalistischen Entwürfen ein ganzes Jahrzehnt und Fotografen wir Juergen Teller oder Wolfgang Tillmans begeistern international mit ihren Aufnahmen. Trotzdem, so scheint es, tun wir uns mit der stilistischen Identitätsfindung eher schwer.

Das klassische Ringelshirt, die Baskenmütze und der rote Lippenstift haben ihre assoziativen Wurzeln in Frankreich, Trenchcoat und Brogues fallen uns vor allem in Verbindung zu Großbritannien ein, das schönste Design findet sich bei den Skandinaviern, die Kunst der Essenskultur erwartet man oft eher in Italien – und die große Ästhetik ja sowieso immer zunächst woanders. Dabei hat auch der deutsche Stil, so scheinbar ambivalent und ungreifbar er auch sein mag, seinen fesselnden Duktus – man muss ihn nur mit den richtigen Fragen hervorzubringen wissen.

Diese stellt das Buch “The Germans – Stil und Ikonen einer Nation” von Silke Wichert und Nina Zywietz gekonnt. Sie durchlöchern ihren Probanden, den deutschen Stil, gleich ganz genau: Was und vor allem wer hat ihn geprägt? Wie definieren uns diese Einflüsse heute? Warum kleiden wir uns so, wie wir uns eben kleiden? Und was lässt sich denn nun als “typisch deutsch” bezeichnen? Ihre Antworten kommen als ausgiebiger Bilderkatalog daher, in Form von Essays oder Interviews mit Experten und Stilikonen und insbesondere als Erkenntnis, dass der Stil des Landes doch vor allem durch seine Dualität besticht.

Es ist ein Sammelsurium an Einflüssen, getrieben von einer Suche nach Effizienz und unterschwelliger Rebellion, zwischen Bauhaus und Techno, Funktionskleidung und Kleidung mit der Funktion der Schönheit, Schnittchen auf dem Sofatisch und Claudia Schiffer auf den internationalen Laufstegen. Der Stil der Deutschen, das ist ebenso der Erfolgssneaker Stan Smith von adidas wie der Wanderrucksack. Eine Spanne, die so einiges zulässt, etwas eigen ist und eben genau deshalb einzigartig – besonders, wenn man sich erst einmal darauf eingestimmt hat, dass statt des Ringelshirts doch eher die Radieschen auf dem Schwarzbrot als Klassiker gesehen werden. Wer sich ein ganz genaues Bild des deutschen Stils machen will, der dürfte sich dieses wohl ungefähr so vorstellen: Claudia Schiffer isst Schnittchen vor einer Schrankwand aus Holz, daneben liegt ein Schäferhund, im Fernsehen läuft das Traumschiff, aus dem Radio tönen die Skorpions und alles in allem sehen alle damit doch ganz zufrieden aus. Mit einer Stulle in der Hand – und, in Anbetracht all dieser stilistischen Kategorisierungen, natürlich einem Augenzwinkern im Gesicht.

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© The Germans – Stil und Ikonen einer Nation” von Silke Wichert und Nina Zywietz

“The Germans – Stil und Ikonen einer Nation” von Silke Wichert und Nina Zywietz, erschienen bei teNeues, 224 Seiten, etwa 40 Euro, www.teneues.com