Lifestyle

Über gute Vorsätze

Von , 3. January 2017

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©Hill & Aubrey, Marie Gibert | Editorial: Pretty Baby (L’OFFICIEL Ausgabe Mai/Juni 2016)

Schluss mit Schlemmerei, Faulenzen und Rauchen? – Schluss mit dieser Art von Vorsätzen

Die Aspirintablette löst sich zischend im Sektglas auf, da denken viele schon an gute Vorsätze. Es ist der 1. Januar und wieder beginnt die gleiche Leier wie vor 365 Tagen: Ab jetzt Finger weg von Alkohol und allem vermeintlich Bösen – Zucker, Weißmehl, Fett, ach und wenn man schon dabei ist, gleich auch von Fleisch, Fisch und Milchprodukten, man hört ja so einiges. Sport? Wieder fünf Mal die Woche. Rauchen? Bitte was? Das eigene Durchhaltevermögen bei all dem? Nicht vorhanden. Da helfen auch keine Artikel wie “Dein neues Ich 2017” oder “Wie man einhält, was man sich zu Neujahr vornimmt”. Das Resultat: ein schlechtes Gewissen. Besonders, weil man bei Instagram den Eindruck bekommt, alle anderen würden ein devotes Leben zwischen Fitnessstudio und veganem Café führen – die leere Packung Erdnussflips postet man da lieber nicht.
Wozu also gute Vorsätze? Sie scheinen im Zeitalter der Selbstoptimierung selbstverständlicher als die Rente. Es ist nur naheliegend, über das „gut“ nachzudenken. Drei alternative Vorsätze, die es lohnt, durchzuhalten.

Politisches Engagement
Brexit, die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten, der Einzug der AfD in fünf deutsche Landesparlamente. Das vergangene Jahr war geprägt von Unruhen und Überraschungen. Das Wort des Jahres 2016 – postfaktisch – drückt aus, wie, nicht nur hierzulande, in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen zunehmend Emotionen anstelle von Fakten überzeugen. Es ist ein Appell an uns alle, sich politisch zu engagieren, zu informieren und sich und sein Umfeld kritisch zu hinterfragen. Besonders im Wahlkampfjahr 2017, wenn nicht nur im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen gewählt wird, sondern im September auch die Bundestagswahl stattfindet.

Weniger kaufen
Es mag komisch klingen, wenn ein Mode– und Lifestyle-Magazin seinen Leserinnen und Lesern vorschlägt, sie sollten doch mal ihren Konsum herunterschrauben. Und doch: es gibt genug Wege, durch Recycling seine alten Lieblingsjeans aufzumöbeln oder einfach mal bewusster einzukaufen. Die zehnte Jacke von Zara („Made in Bangladesch“ für 40 Euro – faire Arbeitsverhältnisse und Nachhaltigkeit sehen anders aus) ist so überflüssig wie der zehnte rote Lippenstift (besonders, wenn die Kosmetikmarke ihre Produkte an Tieren ausprobiert). Man muss auch kein studierter Ökonom sein, um einzusehen, dass ein schönes Teil, das lange hält, viel mehr Freude macht, als fünf unsinnige Spontankäufe – preislich kommt es schließlich aufs gleiche hinaus.

Superfoods verbannen
Chiasamen, Gojibeeren, Hanfpulver – Dinge, die der Mensch nicht braucht. Laut Ökotest sind zwei von drei Superfoods stark mit Keimen und Giften belastet, trotz Bio-Siegels. Die 10 Euro für eine Handvoll verschrumpelter Beeren sollte man also lieber in wirklich gutes Essen investieren, das einem auch schmeckt. Das verschlingt man erfahrungsgemäß so schnell, dass keine Zeit für Essensfotos bleibt – der Vorsatz des Digital Detox wird obsolet.