Lifestyle

Buchtipps fürs Wochenende

Von , 24. March 2017

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Unter der Bettdecke ist der schönste Ort der Welt. Besonders wenn es draußen noch schneit und matscht, kann man sich dort mit einem Lieblingsbuch verkriechen und vom Sommer träumen

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„Wenn ich bei meinen Eltern sitze, höre ich die Stimme nie. Weil ich dann ständig so tue, als wäre ich jemand anderes.“ Bei ihrer türkischen Familie fühlt sie sich fremd, in der deutschen Gesellschaft auch. Sie kanalisiert ihre Verlorenheit durch blanke Gewalt. Als die Polizei hinter ihr her ist, flieht sie nach Istanbul. Hoffnung?

„Ellbogen“ von Fatma Aydemir, Hanser, 272 Seiten, etwa 20 Euro

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Jenseits der Glasglocke verfasste Sylvia Plath vor allem Gedichte. In diesem Band für Kinder beschreibt sie Betten für alle Lebenslagen: Wenn der Hunger kommt, schau / so um Mitternacht / Ist ein Fressbett genau / Woran Du gedacht. Also auch für Erwachsene sehr hilfreich. Ihren eigenen Kindern konnte Plath nicht mehr daraus vorlesen. Sie hielt es mit Kleist. „Mir ist das Grab lieber als die Betten aller Kaiserinnen der Welt.“

„Das Bett-Buch“ von Sylvia Plath, Insel-Bücherei, 47 Seiten, etwa 12 Euro

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Laura Wohnlichs Protagonistin musste früh erwachsen werden: Mit 16 zieht sie aus, mit 18 streicht die Mutter ihr das Geld und widmet sich lieber der Zierfischzucht. Da Anna sich nicht von faden Nebenjobs unterdrücken lassen will, fängt sie an, als Prostituierte zu arbeiten. Krieg ist schlimmer als Körperverkauf. Dann stirbt ihre Mutter. Ein brutales, poetisches Buch über Liebes- und Lebenshunger.

„Sweet Rotation“ von Laura Wohnlich, Piper Verlag, 336 Seiten, 20 Euro

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Wen die Poststrukturalisten schon in der Uni genervt haben, der sollte diesen Krimi lieber nicht anfassen. Roland Barthes wird überfahren. Ein Manuskript verschwindet. Foucault ist Zeuge, nimmt aber LSD in Schwulenclubs – was nicht weiterhilft. Aber vielleicht eine Vorlesung von Derrida? Die Franzosen jedenfalls feiern Binets Meta-Werk.

„Die siebte Sprachfunktion“ von Laurent Binet, Rowohlt, 528 Seiten, etwa 23 Euro

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Eine Reise ins Herz der Finsternis: Denis Johnson verknüpft politisches Weltgeschehen mit den Geheimnissen seiner Protagonisten. Roland Nair, ein amerikanischer „Handgepäck-Typ“, besucht einen alten Freund in Sierra Leone. Sie machen sich auf den Weg in ein Dorf, wo seine Hochzeit stattfinden soll. Auf einmal sind Interpol, der Mossad und der MI6 hinter ihnen her. Wie viel Angriff verträgt eine Freundschaft? Ein Gegenwartsautor, der an Joseph Conrad und Jack Kerouac erinnert. Nur mit mehr Klarsicht und Humor.

„Die lachenden Ungeheuer“, Denis Johnson, Rowohlt, 272 Seiten, etwa 23 Euro

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Ihr erstes Buch veröffentlichte Alissa Walser unter dem Pseudonym Fanny Gold. Vielleicht, weil der Vater einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Gegenwartsliteratur ist, vielleicht aber auch einfach weil Fanny Gold ziemlich verführerisch klingt. „Eindeutiger Versuch einer Verführung“ versammelt Erzählungen, die lakonisch lustvoll fragen, wie man eigentlich in dieses Leben geraten ist und wie man es einigermaßen unbeschadet übersteht. Eine minutiöse Beobachterin menschlicher Beziehungen!

„Eindeutiger Versuch einer Verführung“ von Alissa Walser, Carl Hanser Verlag München, 160 Seiten, etwa 17 Euro

Dieser Artikel ist in der März 2017-Ausgabe von L’Officiel erschienen