Lifestyle

North: Identity, Photography, Fashion

Von , 5. January 2017

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Derrin Crawford & Demi-Leigh Cruickshank ‘The Liver Birds’ LOVE magazine, Liverpool, 2012 © Alice Hawkins

Der Norden Englands beschreibt mehr als nur eine Himmelsrichtung – die Region beeinflusst immer wieder Mode und Popkultur. Das zeigt die neue Ausstellung “North: Identity, Photography, Fashion”

Wer an die britische Mode denkt, dem kommen höchstwahrscheinlich Namen von Burberry bis McQueen in den Sinn, ehrgeizige Studenten, subkulturelle Einflüsse, vielleicht sogar ein bisschen Rebellion und Revolution – vor allem aber wohl London. Denn die britische Hauptstadt beherbergt nicht nur die Modewochen und renommierte Modeschulen der Insel, sie scheint auch eine in Backstein gemeißelte kreative Hochburg, die ihre Bewohner stetig mit neuen Anreizen und Inspiration verwöhnt.

Doch London gleich Mode und Mode gleich London, dieser Gleichung fehlen ein paar entscheidende Einflüsse. Zum Beispiel der des Norden Englands, eingepfercht zwischen Nordsee und Irischer See, geografisch vielleicht etwas abgelegen, in der Popkultur dafür aber umso präsenter. In welchem auf den ersten Blick oft gar nicht erkennbaren Ausmaß sich die Ästhetik des Gebiets in Fotografie, Mode und Kunst widerspiegelt verdeutlicht nun die Ausstellung “North: Identity, Photography, Fashion” in der Open Eye Gallery in Liverpool.

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Untitled, Manchester, 1997 © Jason Evans

Kuratiert von Modejournalistin Lou Stoppard und Adam Murray beinhaltet sie Entwürfe von Designern wie Christopher Shannon, Claire Barrow oder Gareth Pugh, Arbeiten der Fotografen Jamie Hawkesworth und Alasdair McLellan oder Schuhmodelle von Adidas, die eng mit dem Stil des Nordens verknüpft sind. Robust und rau zeigt sich der, eigen, irgendwie rotznäsig und doch so bedeutend für die Ästhetik der Insel.

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Boy at the Saint Leger Fair, Doncaster, September 2005 © Alasdair McLellan

Und darüber hinaus: “Love will tear us apart” schrieb etwa Raf Simons auf einen Mantel seiner Herbst 2003-Kollektion, der Titel eines Songs der Band Joy Division aus Manchester. Der Belgier heftete seinen Stücken nicht nur ihre Liedtexte und Albencover auf den Rücken, sondern auch die Melancholie und Schwere, das Düstere und vielleicht auch ein bisschen Unverständliche, das mit ihnen und ihrer Herkunft, dem Nordwesten Englands, einhergeht. Es ist eine andere Art der “britishness”, mehr high street als high tea und Identifikationsfläche für unzählige Engländer.

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Raf Simons AW 2003 © Raf Simons

Denn so gerne auch der Stil ganzer Städte in wenigen Adjektive verpackt wird, so selten lässt sich doch das Bild einer ganzen Region in Stoff oder Fotografie klar widerspiegeln. Und das muss es vielleicht auch gar nicht: Neben dem gebündelten Einfluss, den der Norden Englands auf das restliche Land ausübt, zeigt “North: Identity, Photography, Fashion” doch vor allem die Vielseitigkeit, die sich auch außerhalb und besonders oberhalb Londons finden lässt.

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From the series Skelmersdale, 1984 © Stephen McCoy

“North: Identity, Photography, Fashion” ist vom 6. Januar bis zum 19. März 2017 in der Open Eye Gallery in Liverpool zu sehen