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Interview: Liv Tyler

Von , 31. March 2017

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Liv Tyler designt gemeinsam mit Creative Director Delphine Ninous die SS17 Capsule Collection
 für das britische Luxuslabel Belstaff

„Ich versuche das Wort Risiko auszublenden und sehe die Dinge vielmehr als Herausforderung. Das Schlimmste, was mir passieren kann, ist doch, dass ich scheitere, oder?” Liv Tyler im Interview

„Irgendwie wollen die Leute immer wissen, was man gerade so macht. An welchem neuen Hollywood-Film man arbeitet. Ehrlich gesagt, arbeite ich an keinem.” Wir sitzen auf dem Sofa. Liv Tyler head to toe in Schwarz. Ich kann mir nicht helfen, das Elfenhafte, das Heldenhafte, scheint nicht fern. Und klar, sie hat recht, denke ich mir. Mehr als ihre weltbekannten Produktionen interessiert mich, wer mir da gegenübersitzt. Die 39-Jährige ist gerade aus den USA nach England gezogen, die Herr der Ringe/Armageddon-Vergangenheit scheint weit entfernt, und unser Gesprächsstoff ist ein anderer. Die Gegenwart? Sie arbeitet universell, widmet sich schöpferisch der Mode, spielt in der Fantasy-HBO-Serie The Leftovers. 

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© instagram.com/misslivalittle
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„Wollen wir über die Liebe reden? Ich habe da ein Zitat von Ihnen, das mir im Kopf geblieben ist. Es ist noch nicht allzu lange her. Sie sagten einmal: ‘In deinen Dreißigern gibt es einen Punkt, an dem etwas Interessantes passiert. Du glaubst nicht mehr an Prinzessinnen und an das Glück bis in alle Ewigkeit. Es ist eine andere Wahrnehmung der Liebe und Beziehungen. Für immer ist eine lange Zeit.’ Das klingt romantisch und beinahe brutal realistisch zugleich.”
„Ja, da ist schon was dran. Ich meine, dieser Ewigkeitsgedanke funktioniert doch so bedingungslos in unseren Beziehungen zur Familie oder in vielen Freundschaften. Warum fällt es uns in dieser einen Liebe dann so schwer? Es gibt genug Beispiele, die uns eines Besseren belehren, aber tief in mir glaube ich fest daran, dass es magisch bleiben kann. Jeden einzelnen Tag und immer auf ein Neues.”

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Liv Tyler / Belstaff © Belstaff

Es gibt diese Menschen, die dich mit ihrer Aura einfangen. Du schaust sie an und bist fasziniert, egal, ob du sie kennst oder nicht. Liv Tyler ist groß gewachsen, zurückhaltend und überlegt. Der Gedanke, dass sie jemals lauter werden könnte, funktioniert nicht so richtig.
„Die Frage, ob es richtig ist, was ich in einem bestimmten Moment gerade mache, sei es eine Serie drehen oder Mode designen, kommt nicht mehr so wirklich auf. Ich versuche, das Wort Risiko auszublenden, und sehe die Dinge vielmehr als Herausforderung. Das Schlimmste, was mir passieren kann, ist doch, dass ich scheitere, oder? Ich bin mit starken Frauen um mich herum aufgewachsen. Meine Mutter und Großmutter haben sich niemals über irgendetwas beschwert, nicht in den schwierigsten Zeiten.”

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Liv Tyler und Kate Moss, 90er Jahre © instagram.com/misslivalittle

Die Zeiten für Liv Tyler stehen gut. Sie ist erneut Mutter geworden und mit ihrer Familie nach London gezogen. Die englische Trockenheit, die (noch) Nähe zu Europa, die liebt sie. “Und wenn ich nicht in meinem Zuhause bin, dann habe ich diese komische Faszination für Nicht-Orte. Diese Momente, an denen du irgendwo im Nirgendwo bist. Flughäfen oder Bahnhöfe zum Beispiel. Du befindest dich da in einem Raum, den es eigentlich gar nicht gibt. Niemand wohnt dort, und Menschen begegnen sich, die sich sonst niemals getroffen hätten. Diese Orte haben eine so unfassbare Neutralität. Irgendwie hat mich dieser Gedanke schon immer gefesselt.”
„Wie in diesem Hotelzimmer, in dem wir gerade sitzen?”
„Ja, verrückt, oder? Man trifft sich, um jemanden kennenzulernen, und der Ort sagt nichts über diese Person aus. Erst durch ein Gespräch weiß man am Ende, dass das Gegenüber eine hoffnungslose Romantikerin ist und keine Filme dreht. Hah.”