Lifestyle

Héroï­nes: Lea van Acken

Von , 31. August 2016

Lea van Acken © Puria Safary
Lea van Acken © Puria Safary

Nach ihrer zweiten Kino-Hauptrolle wurde sie mal von einem Journalisten gefragt, wie sich der “Durchbruch” denn anfühle. „Den hatte ich noch gar nicht!“

Das Park Inn Hotel am Alexanderplatz ist ein ungewöhnlicher Ort für eine Verabredung, aber Lea van Acken ist auch ein äußerst ungewöhnliches Mädchen. Die 17-Jährige erscheint zum Interview in karierten Latzhosen, zart und fast damenhaft, aber sobald man ihr in die blitzenden Augen blickt und sie einen ihrer trocken-smarten Kommentare (siehe oben) abgibt, ist der erste Eindruck revidiert. Sie ist vor allem: stark.

Vor zwei Jahren verkörperte sie in Dietrich Brüggemanns Film Kreuzweg ein Mädchen, das in einer streng katholischen Familie aufwächst und wie Jesus leben will. Dieses Jahr feierte die erste offizielle Verfilmung des Tagebuchs der Anne Frank im Kino Premiere, unter der Regie von Hans Steinbichler, mit Lea in der Hauptrolle. Auf die Frage, ob sie denn jetzt nach der Verkörperung von Anne Frank im Kino eine Expertin sei, sagt sie: „Nein, wenn überhaupt, dann eine Art Botschafterin.“
Wenn sie über Anne Frank spricht, dann eher wie über eine Freundin als über eine historische Persönlichkeit. Ich finde ihre Beobachtungsgabe total interessant. Ich könnte mir vorstellen, Anne könnte meine Freundin sein, und ich könnte mir vorstellen, wir würden zusammen im Bus sitzen, die Leute beobachten und uns darüber unterhalten.

Sie hat schon früher mit ihren Eltern viele Filme gesehen. Ein Herz und eine Krone war mein Lieblingsfilm. Ich könnte eigentlich den ganzen Tag lang Filme schauen. Ich kenne jeden James Bond und liebe die alten Robert-Redford-Filme. Ich wollte dann einfach so ganz naiv in einem Film mitspielen.“ Lea ist nicht eins von diesen Mädchen, die an einem sonnigen Sonntagnachmittag auf der Berliner Kastanienallee entdeckt werden. Sie lebt mit ihrer Familie in einem Dorf in Schleswig-Holstein. Ich musste mich selber entdecken, sagt sie. Mit zwölf Jahren spielte sie das erste Mal eine Komparsenrolle bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg. Danach suchte sie sich auf eigene Initiative eine Schauspielagentur. Schule und Schauspiel, das sei schon eine Art Doppelleben. Aber es funktioniert, sagt Lea. Wenn sie nicht anwesend sein kann, arbeitet sie den Lehrstoff eben nach. Und wenn sie nicht dreht oder für die Schule lernt, geht sie joggen oder reiten. Zeit verschwenden? Da muss sie lange überlegen. Beim “Schuhe-im-Internet-Bestellen”  zum Beispiel. Das nervt ihren kleinen Bruder dann gewaltig.

Ihr Vorbild ist übrigens Audrey Hepburn. Und Marilyn Monroe findet sie toll. Sie möchte auf jeden Fall weiter ihre Schauspielkarriere verfolgen, aber falls das nicht klappt – denn Schauspiel ist ja immer ein Glücksspiel –, da ist Lea ganz pragmatisch, könnte sie sich auch vorstellen zu studieren – was mit Menschen auf jeden Fall. Sozialpädagogik oder Philosophie.

Aber erst mal warten da bestimmt noch eine Menge Rollen, die von ihr Leben eingehaucht bekommen wollen. Lea van Acken spielt Mädchen, die etwas verteidigen. In Kreuzweg ist es der Glaube an Gott, in Anne Frank der Glaube an die Freiheit im Menschen. Es geht um Einsatz. Nicht um blinde Opfer, sondern darum, etwas Wertvolles zu schützen. Und diesen Einsatz sieht man auch in Leas Spiel. Es ist ernsthaft und existenziell. Befragt über den schlimmsten Moment während des Drehs von Anne Frank, sagt sie, das sei der Moment gewesen, als ihr im KZ die Haare geschoren wurden – ein Take, in dem ihr und ihrer Filmschwester ganz real der Kopf rasiert wurde. Ein Akt von Brutalität und Entweiblichung. Besonders als ich gesehen habe, dass Stella die Haare geschoren wurden, ist eine Welt für mich zusammengefallen. Für mich als Schauspielerin ist es einfach wichtig, dem Film etwas zu geben und der Rolle Authentizität zu schenken.“