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Héroï­nes: Kat Kaufmann

Von , 15. February 2017

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Kat Kaufmann © Daniel Gebhart de Koekkoek

Sie ist Schriftstellerin. Und Sängerin. Und Komponistin. Und noch eine ganze Reihe anderer Dinge – ganz abgesehen von unwiderstehlich und unsere neue Héroï­ne

Meine Theorie ist, dass der Name inoffiziell zu 90 Prozent entscheidet, ob man eine Künstlerkarriere hinlegt. Der Name Kat Kaufmann klingt schon gut, und die Frau hinter dem Namen ist in den Dingen, die sie angeht, auch noch verdammt gut. Also liegt die Wahrscheinlichkeit meiner Theorie nach sogar weit über 100 Prozent – sie musste einfach Künstlerin werden. Und was für eine: Sie ist ausgebildete Pianistin, schreibt gerade an ihrem zweiten Roman, singt sehr schön Jazz und komponiert zwischendurch auch mal Filmmusik für den Tatort. Aber wer steht nun hinter dem Namen Kat Kaufmann? Kat hieß nicht immer so. Im Jahr 1991 und im Alter von zehn Jahren kam sie mit der Familie aus St. Petersburg nach Leipzig, und schnell war klar, dass der Name Ekaterina ihr sehr viel Buchstabierhilfe abverlangen würde. Spasibo, danke, also an den besten Freund Björn aus der damaligen Theater-AG, der sie in Kat umbenannte. Russisch ist sie immer noch – aber alles mögliche andere auch. Nach Berlin kam sie schließlich mit 23 Jahren. In dieser Stadt kann man vieles sein, deswegen fühlt sie sich hier auch so wohl, in Charlottenburg aka Charlottengrad, wo sie momentan lebt.

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Kat Kaufmann © Daniel Gebhart de Koekkoek

Vor unserem ersten Rendezvous habe ich mehrere Stunden auf ihrem Instagram-Account verbracht. Bei einigen Menschen macht es sofort klick, so war das auch bei uns. Gott sei Dank, Kat war keine Instagram-Enttäuschung, und es macht noch viel mehr Spaß, sie “in echt” anzuschauen. Wir haben laut und aufgeregt gesprochen, wie zwei Teenager, die sich ganz viel zu erzählen haben. Kat lacht laut und ehrlich, nimmt sich selbst nicht zu ernst. Bei besagtem ersten Treffen saß neben uns ein Mann. Sein mimischer Subtext: „Bitte redet leiser, Girls!” Kat lächelte charmant, streifte sich durchs Haar (das macht sie öfter, weil die Haare irgendwie immer im Weg sind) und sagte, bevor er es aussprechen konnte: „Zu laut. Wir nerven, nicht wahr?” Kat ist für mich angenehm direkt, einigen bestimmt zu sehr. Das gilt auch für ihre Bücher und Gedanken, die definitiv ein Publikum spalten können. Ein bisschen errötet sie auch, als ich ihr erzähle, dass meine 92-jährige Oma ihren Debütroman Superposition als Erste in unserer Familie liest.

Und wie kam das mit dem Bücherschreiben? Durch die Musik eignete sich Kat ein Gefühl für Rhythmus und Dramaturgie an. Gute Sprache braucht das auch. Das jahrelange professionelle Klavierspielen erwies sich als hilfreich für den Klang der Worte. Davor hatte sie vorrangig Texte für ihren Papa Küf Kaufmann übersetzt, der als Regisseur an der Leningrader Music Hall, später an der Leipziger Oper tätig war und Kats russisch-deutsche Sprachkenntnisse für sein Buch Wodka ist immer koscher gebraucht hatte.

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Kat Kaufmann © Daniel Gebhart de Koekkoek

Schließlich kam der Tag X und Kat war bereit, sich mitzuteilen: „Eine perfekte Formulierung zu finden ist wie Sudoku spielen.” Sie hatte etwas zu sagen, über den leichten Wahnsinn ihrer Generation, und so schrieb sie eben ihren ersten Roman: Superposition, der in Berlin spielt, aber bitte kein Berlin-Roman ist. Sie gewann den Aspekte-Literaturpreis. Ein Jahr später hat Kat gerade ihr zweites Buch zu Ende geschrieben, das dieses Jahr erscheinen wird. Sie erzählt aus der Perspektive eines jungen Mannes. Frage: „Fällt dir das schwer?” Antwort Kat: „Nein, ich fühle mich intergeschlechtlich. Ich morphe durch die Welt.” Das nimmt man ihr sofort ab. Pausen – gab es überhaupt eine zwischen Buch Nummer eins und zwei? Vielleicht fünf Minuten, denn bei der Veröffentlichungsparty von Superposition erzählte sie ihrem Verleger an der Bartheke von weiteren Geschichten, die sie gerne erzählen würde. Es muss gut geklungen haben, denn zu einer Pause kam es nie. Dabei würde Kat gerne auch mal nichts tun, aber irgendwie ist immer was los in ihrem Leben. Gewollt ungewollt.

Kat Kaufmanns erster Roman “Superposition” ist 2015 erschienen, über Hoffmann und Campe, ihr nächster Roman “Die Nacht ist laut, der Tag ist finster”, Hoffmann und Campe Verlagerscheint am 11. April 2017.

Dieser Artikel ist in der November/Dezember 2016-Ausgabe von L’Officiel erschienen.