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Regisseur Fatih Akin über »Tschick«

Von , 13. September 2016

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© Tschick/Studiocanal

Nichts wie weg! Fatih Akin hat Wolfgang Herrndorfs preisgekrönten Ausreißerroman Tschick verfilmt, der am 16. September in die Kinos kommt. Vier Fragen an den Hamburger Regisseur:

Was schätzen Sie besonders an Wolfgang Herrndorf?
Er war ein starker Schriftsteller. Er ist im Angesicht des Todes nicht verzweifelt, erstarrt, oder in Fatalismus verfallen, er vollendete sein Werk. Er wusste immer: Seine Uhr läuft. Er hat nach so kurzer Lebenszeit ein bemerkenswertes, erzählerisch hervorragendes Œuvre hinterlassen. Sein Blog Arbeit und Struktur versammelt die existenziellsten Texte, die ich je gelesen habe. Sand wiederum verkörpert beste Unterhaltung – gleichzeitig zieht dieser Roman das Krimi-Genre ordentlich durch den Kakao. Und Tschick ist eben der Huckleberry Finn unserer Zeit.

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© Tschick/Studiocanal

Was ist Ihre Lieblingsszene im Buch?
Wenn Tschick und Maik eine Nacht im Freien verbringen, in die Sterne blicken und erkennen, wie klein sie in diesem Universum eigentlich sind. Spätestens dieser Moment hat mich überzeugt, das Buch zu verfilmen. Und ich habe es eins zu eins so verfilmt, wie es im Buch steht. Für den Dreh hatte ich kein Skript zur Hand – ich bin straight mit dem Roman ans Set gegangen.

Was war lustig während der Dreharbeiten?
Die Stausee-Sequenz. Die Kids mussten ins eiskalte Wasser springen. Wir haben sehr spät im Sommer zu drehen begonnen und eigentlich war es schon viel zu kalt für diese Szene. Zunächst hatte ich überlegt, die Situation mit Körperdoublen zu lösen. Bei bestimmten Einstellungen war das aber nicht möglich. Es führte also kein Weg dran vorbei. Erst ist Mercedes – sie spielt Isa – ins Wasser gesprungen. Das hat die Jungs natürlich beeindruckt. Dann sprang Tristan. Anand, der Tschick spielt, war der einzige den ich hätte doubeln können, aber er wollte nicht als Weichei gelten. Also ist er auch rein.

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Regisseur Fatih Akin mit der Tschick Film-Crew © Tschick/Studiocanal

Träumt jeder Junge vom eigenen Roadmovie?
Ich kenne genug Kinder, deren größtes Glück es ist, zu Hause zu bleiben und zu chillen. Ganz nach dem Motto: “Nirgendwo ist es so schön, wie daheim“. Was die Jungs in Tschick machen ist natürlich romantisch. Je unharmonischer ein Elternhaus oder die eigene Umgebung, desto größer ist der Wunsch abzuhauen. Das Ziel der Jungs, die Walachei, ist ja eigentlich nicht als geografischer Ort zu verstehen. Sondern als Synonym für das Nirgendwo. Sie haben kein Ziel, aber sie fahren los.

Dieses Interview ist in der September-Ausgabe von L’Officiel erschienen