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Interview: Nicole Hackert, CFA Galerie

23. November 2015

© ROSY KEYSER "We Sing Sin" Courtesy Contemporary Fine Arts Foto: Jens Ziehe / Portrait Oliver Mark
© ROSY KEYSER “We Sing Sin” Courtesy Contemporary Fine Arts, Foto: Jens Ziehe / Portrait: Oliver Mark

Die Galeristin im Gespräch über intelligente Zeitgenossen & zeitgenössische Kunst

Seit rund zwanzig Jahren präsentieren Nicole Hackert und ihr Partner Bruno Brunnet die Vielfalt der Kunst in ihrer eigenen Galerie in Berlin. CFA, kurz für Contemporary Fine Arts, realisiert, was der Name bereits vorhersagt: Zeitgenössische Kunst. Aktuell zeigt hier etwa der Maler Georg Baselitz in der Einzelschau „Sigmunds Höhle“ seine Hundeporträts, die der sonst oft rein dekorativen Tiermalerei mittels Anspielungen, Unterdrücktem und Verdrängtem aus dem Freud’schen Universum neue Bedeutungsebenen verleiht. Anselm Reyles „Streifenbilder“ werden seit dem 21. November außerdem von der ersten Einzelausstellung der amerikanischen Künstlerin Rosy Keyser in Deutschland abgelöst, die für ihre Ausstellung „We Sing Sin“ nicht nur Materialien collagiert, sondern ebenso die gewohnten Wahrnehmungsmuster des Betrachters auseinandernimmt. In 2015 war bei CFA zudem die Fotografiesammlung von F.C. Gundlach zu Gast, stellte Juergen Teller sein Fotoprojekt „The Clinic“ und Tal R seine Malerei unter dem Titel „The Oolong“ aus. Doch im Portfolio von CFA finden sich nicht nur zahlreiche international renommierte Künstler, sondern werden, wie etwa Anfang des Jahres die Schüler von Tal R und Juergen Teller, ebenfalls junge Talente gefördert.

L’Officiel hat mir der Galeristin und Co-Gründerin von CFA, Nicole Hackert, darüber gesprochen, wie sie und Brunnet die Künstler, die sie vertreten, auswählen, was Kunst für sie interessant macht und wie sich die Berliner Kunstszene in den letzten Jahren verändert hat.

L’Officiel: „Die Persönlichkeit eines Künstlers muss zum Galeristen, aber auch zu den übrigen Künstlern der Galerie passen“, paraphrasiert Sie Katja Blomberg in ihrem Buch „Wie Kunstwerte entstehen: der neue Markt der Kunst“. Bei CFA „passen“ unter anderem Raymond Pettibon, Anselm Reyle, Juergen Teller, Georg Baselitz, Sarah Lucas, Daniel Richter, Katja Strunz, Julian Schnabel und Cecily Brown „zusammen“. Was verbindet diese Künstler in ihren Persönlichkeiten, aber auch ihren Arbeiten?

Nicole Hackert: Zunächst einmal sind sie alle großartige Künstler und äußerst intelligente Zeitgenossen. Der kleinste gemeinsame Nenner, den ich bei den Künstlern und Künstlerinnen entdecken kann, ist, dass sie sowohl als Typen wohl auch als Künstler eher expressiv als introvertiert sind.

Womit überzeugt Sie ein junger Künstler von seiner Arbeit?

Nicole Hackert: Wenn er oder sie mir mit einer neuen Arbeit auch einen neuen Blickwinkel auf die Welt eröffnet.

Und etwas allgemeiner: Was kann, darf, soll Kunst Ihrer Meinung nach? Und was nicht?

Nicole Hackert: Das obige darf und muss Kunst. Mich in meiner Weltsicht bestätigen, darf sie nicht.

Nachdem Sie bereits als Studentin eine Non-Profit-Galerie geleitet haben, gründeten Sie 1994 gemeinsam mit Bruno Brunnet Contemporary Fine Arts – Sie sind bereits seit vielen Jahren in die Berliner Galerienszene involviert. Wie hat sich diese verändert und wie beurteilen Sie den Wandel?

Nicole Hackert: Wir werden immer mehr, insofern kann man von so etwas wie der Galerienszene so gar nicht mehr sprechen, und ein paar von uns immer internationaler. Das hat sich kongruent mit dem Zuzug von Künstlern aus aller Welt in die Stadt, aber auch mit der zunehmenden Popularität zeitgenössischer Kunst international entwickelt. Verglichen mit London oder New York hat die Szene hier aber, auch mangels lokaler Sammler und Institutionen für zeitgenössische Kunst von Weltruf, nach wie vor etwas Provinzielles.

Als Galeristin vermitteln und verkaufen Sie tagtäglich die Kunst, deren Schöpfer Sie vertreten, doch welche Kunst berührt Sie persönlich? Welche Kunst kann man in Ihrer Wohnung finden?

Nicole Hackert: Wenn mich die Kunst nicht persönlich berührt, könnte ich deren Macher nicht vertreten. Wir haben privat von allen oben genannten Künstlern Werke zu Hause.

Vielen Dank für das Interview, Nicole Hackert.

Die Ausstellungen von Georg Baselitz und Rosy Keyser sind noch bis zum 23. Dezember 2015 in der Galerie CFA, Am Kupfergraben 10, 10117 Berlin zu sehen. Mehr über das Programm der Galerie CFA erfahren Sie hier. In der aktuellen Printausgabe von L’Officiel schreibt Nicole Hackert ausserdem über Frauen in der Kunst.

 

Autorin: Teresa Köster