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Karoline Herfurth über ihr Regiedebüt

Von , 9. September 2016

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SMS für dich © Warner Bros. Ent.

Wenige Tage vor dem Filmstart von SMS für dich (15. September) trafen wir Regisseurin und Hauptdarstellerin Karoline Herfurth in Berlin zum Interview

Woher kam die Idee für den Film?
Die Vorlage ist der Roman von Sofie Cramer SMS für dich. Über Warner Bros. wurde dann das Filmprojekt an mich getragen. Sie haben mir eine Drehbuchfassung geschickt und gefragt ob ich mir vorstellen könnte, Regie zu führen.

Also eine Auftragsarbeit?
Kann man so sagen. Ich habe das Drehbuch dann mitgeschrieben und weiterentwickelt.

Wie fühlt es sich an die Seiten zu wechseln? Bisher warst du ja immer vor der Kamera. Kann man Regieführung dann intuitiv, weil man es schon so oft erlebt hat?
Es gibt Bereiche, die ich schon kannte. Aber es gab auch viele Bereiche, die komplett neu waren für mich: die Vorbereitung, die Masse an Entscheidungen, die ganzen technischen Angelegenheiten, die Postproduktion. Durch meinen Kurzfilm (Mittelkleiner Mensch, 2012) habe ich in ein paar Bereiche schon reingeschnuppert, aber das war noch mal eine ganz andere Ebene.
Ich hatte aber das große Glück von einem „Luxus-Team“ umgeben zu sein. Als Regiedebütantin war es für mich nicht selbstverständlich mit solchen Leuten arbeiten zu dürfen und ich bin meinem Team sehr dankbar, dass sie sich auf mich und dieses Projekt eingelassen haben. Ich war sehr gut aufgehoben.

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SMS für dich © Warner Bros. Ent.

Gibt es einen qualitativen Unterschied zwischen Schauspiel und Regie?
Schauspiel ist natürlich viel emotionaler. Als Schauspieler braucht man so eine Art Bubble, in die man verschwinden kann um die Außenwelt abzuschalten und sich auf die Figur und ihre Emotionen zu konzentrieren. Als Regisseurin muss man, im Gegenteil, immer wach und für alle ansprechbar sein. Das sind sich teilweise widersprechende Aufgaben.

Hast du gerne die Kontrolle oder bist du eher eine Teamworkerin?
Definitiv Teamworkerin! Ich kann aber sehr akribisch sein. (lacht) Da würden jetzt einige lachen. Mein Cutter zum Beispiel. Oder meine Misch-Jungs. Ich kenne in diesem Film wirklich jeden einzelnen Ton auswendig. Ich denke aber es ist wichtig so eine Geschichte als etwas zu begreifen, das von mehreren Menschen geschaffen wird. Und auch Impulse, die von außen kommen, miteinzuweben. Natürlich ist die Regie dann der Filter. Ich gleiche das dann mit meiner Vision ab bzw. mit meinem Bauchgefühl. Die Geschichte wird aber vom gesamten Team gebaut, ich führe sie nur.

Du hattest jetzt aber sogar eine Doppelrolle. Regisseurin und Hauptrolle. Ist das dann auch eine Doppelbelastung?
Ja definitiv. Man kann sich nicht so ganz unterbewusst in die Rolle fallen lassen und den Emotionen komplett freien Lauf lassen, weil man ja immer auch klar und empfänglich bleiben muss. Aber dadurch dass ich die Figur so lange begleitet habe, länger als sonst, weil ich ja mit am Drehbuch geschrieben habe, hat es die Arbeit an der Rolle wiederum erleichtert. Ich musste die Rolle nicht mehr suchen. Das hat mir dann den Freiraum für die Regie gegeben.

Führen Frauen anders Regie als Männer?
Ich mag ehrlich gesagt keine geschlechtsspezifischen Verallgemeinerungen. Ich kann das auch nicht bestätigen. Ich habe sowohl mit Männern als auch mit Frauen gearbeitet in der Regie. Und ich würde nicht sagen, dass Männer anders als Frauen Regie führen, ich würde sagen: jeder ist anders. Das hört sich jetzt vielleicht romantisierend an, aber es ist tatsächlich so. Ich hab sowohl cholerische Frauen als auch Männer erlebt. Und sowohl sehr sanfte Regisseure als auch Regisseurinnen. Die Attribute „schüchtern“ oder „durchsetzungsfähig“ waren auch nicht geschlechtsspezifisch aufgeteilt.

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SMS für dich © Warner Bros. Ent.

Der Film spielt ja in Berlin. Inwiefern war das Setting für dich von Bedeutung? Ist das auch eine Liebeserklärung an Berlin?
Das war mir wichtig. Im Film haben Klara und Marc ihr erstes Date auf der Friedrichbrücke am Dom. Das ist eine Gegend mit der ich emotional viel verbinde. Ich habe als kleines Kind um die Ecke gewohnt. Auf der Freitreppe auf der Museumsinsel hab ich schon mit meiner besten Freundin Fotoshootings gemacht, mit 16, mitten in der Nacht. In den Arkaden war ich mit meiner Mutter Tango tanzen. Und habe dummerweise meinen Steiff Teddy für drei Mark auf dem Trödelmarkt am Pergamonmuseum verkauft. Mir war es wichtig, dass man Berlin, so wie ich es liebe, auch im 
Film sehen kann.

Ist Sms für dich eine Romantic Comedy?
Ich nenne es immer: Liebesfilm mit komödiantischen Elementen. Für eine Romantic Comedy nehmen die Emotionen hier einfach zu viel Raum ein. Es gibt ein ernsthaftes emotionales Thema, den Verlust eines geliebten Menschen, das trotz der Schwere mit einer gewissen Leichtigkeit erzählt wird.


 Ich liebe die Leichtigkeit des Lebens und ich finde das Leben wunderschön – und das ist auch das Gefühl, das ich mir bei Verlassen des Kinos wünsche. Ich gehe gerne mit Hoffnung und tief berührt, mit noch nassen Augen und erschöpften Lachmuskeln aus dem Kino. Das ist einfach mein Genre. Ich habe vielleicht einen Fassbinder Film gesehen, aber alle Romantic Comedies, die es gibt.

Hast du Lieblingsfilme oder konkrete Regie-Vorbilder?
Nicht direkt, aber ich mag besonders die Romantic Comedies von vor zehn Jahren, als alles noch etwas unschärfer war, noch nicht so clean.

Persönliche Lieblingsfilme?
Ich liebe alle Tom Hanks Filme. Forrest Gump ist Wahnsinn. Ich liebe Moulin Rouge. About Time mit Rachel McAdams. In Jenny’s Wedding gab es zwei Szenen, die mich umgehauen haben. Letztens habe ich noch mal Crazy stupid Love gesehen um zu sehen wie da mit Musik umgegangen wird. Liebe ich auch sehr.

Hast du schon ein nächstes Projekt geplant?
Regie noch nicht. Aber als Schauspielerin. Im Herbst drehe ich Die kleine Hexe.

Bist du die kleine Hexe??
(lacht) Ja!

Und eine letzte Frage. Wie schafft man es sich vor der Kamera glaubwürdig zu verlieben?
(lacht) Durch Handwerk.