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Interview: André Saraiva

Von , 27. October 2016

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André Saraiva © PR

Graffiti-Künstler und Nachtleben-Legende André Saraiva über Seide, Stein und Streetart

Du wirst oft als sozialer Alchemist bezeichnet. Kannst du da zustimmen?
Durch meine Kunst, genauso wie durch meine Clubs, Restaurants und Hotels, will ich ein positives Umfeld schaffen, in dem sich meine Freunde wohlfühlen, treffen und austauschen können. Ich bringe gerne verschiedene Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nicht unbedingt im Sinne von Kreativität oder Kooperationen getroffen hätten.

Wann hast du mit dem Sprühen begonnen?
Mitte der Achtzigerjahre, in den Straßen von Paris. Ende der Achtziger wendete ich mich dann vom gewöhnlichen Namens-Tagging ab und erfand meinen eigenen Charakter, Mr. A. Ich wollte etwas Universelles kreieren; etwas, das man auf der ganzen Welt versteht.

Und wie ähnlich sind sich Mr. A und André Saraiva?
Mr. A ist eine Art Freund. Egal, wohin ich reise, er begleitet mich und bleibt, im Gegensatz zu mir, auch nach meiner Abreise für immer an jedem Ort verankert.

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André Saraiva © PR

Wie hat sich die Graffiti-Kultur in den letzten Jahrzehnten verändert?
Als ich angefangen habe, ging es in der Szene primär um den Adrenalinkick, um die Liebe zur Nacht und zur Gefahr. Es war alles ziemlich frei. Diese Aspekte gibt es natürlich immer noch, gleichzeitig werden für viele Menschen aber auch Ruhm und Anerkennung zu immer wichtigeren Motivationen.

Ich würde behaupten, dass du Künstler und Geschäftsmann zugleich bist.
Ich bevorzuge es, Künstler zu sein. Ein Geschäftssinn ist notwendig, aber meine Leidenschaft und Liebe gehören der Kunst.

Du hast gerade die Capsule-Kollektion von Bally entworfen. Auf was lässt es sich besser zeichnen: Seide oder Stein?
Die Wände der Städte werden immer Teil meiner Geschichte bleiben. Solch eine Kollaboration ermöglicht mir jedoch, meiner Kunst eine weitere Dimension zu geben: Sie bleibt ihrem Ursprung zwar treu, bleibt in den Straßen und wird nicht an eine weiße Wand gehängt, wird aber plötzlich tragbar und flexibel.

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Bally-Capsule-Kollektion 2016