Lifestyle

Héroï­nes: Harley Weir

Von , 1. December 2016

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i-D Magazine Fall, 2015 © Harley Weir

Mit ihrer Kamera geht sie an Grenzen, mit ihren Bildern schlägt sie Brücken. Jetzt bekommt die Fotografin Harley Weir ihre erste Solo-Ausstellung in Amsterdam – und ist unsere neue Héroï­ne

Eigentlich geht es in Fotos ja darum, Momente einzufangen, festzuhalten, in Pixel zu meißeln – Harley Weir scheint genau das Gegenteil zu tun. Die Fotografin lässt ihre Models und Motive lieber frei, gibt ihnen Platz auf einem Raum, der ja eigentlich so begrenzt ist. Denn in ihren Aufnahmen endet die Welt nicht außerhalb der Seitenränder. Es sind mehr als Momentaufzeichnungen, die sich irgendwo im Kontext von Mode, Gesellschaft, Kunst und Musik, dieser Masse an Dingen, zu verlieren scheinen, uns Verbindungen und Metaebenen vorgaukeln. Und dann doch nur eine von Photoshop glattgebügelte Leinwand präsentieren, auf die wir unsere Schönheitsideale beamen.

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Unpublished June, 2016 © Harley Weir

Studiert hat Weir Fine Arts am Central Saint Martins, entdeckt wurden ihre ersten Aufnahmen von einem Agenten bei Tumblr. Wenn Harley Weir heute in Interviews über das spricht, mit dem sie mittlerweile mehr als erfolgreich ihren Lebensunterhalt verdient, fällt meist das Wort Emotion. Etwas vermitteln, durch eine inszenierte Szene, die dem Betrachter in Ort, Art und Zeit der Entstehung doch so fern ist – und trotzdem Gefühle auslösen soll. Dafür lädt sie ihre Aufnahmen voll mit Ehrlichkeit, Authenzität, mit Mut. Und nimmt den Betrachtern so die Angst vor dem, das vielleicht noch nicht hundertmal bei Instagram mit dem Daumen in die Unbedeutsamkeit gewischt wurde.

Der Stil, den sie so kreiert hat, ist prägend für die aktuelle Modefotografie, irgendwo zwischen romantisch und rau, zwischen Unsicherheit und dem perfekt Unperfekten. Harley Weir zeigt Speichel, Leiden, Stärke, Frauen, in unterschiedlichster Form, und selbst mit Periodenblut an den Beinen. Dafür löscht Instagram dann auch gerne mal den Account der Londonerin, weil sie die Regeln der Website gebrochen hat.

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Baron Magazine, 2013 © Harley Weir

Doch genau darum geht es ja. Regeln zu brechen, ohne dass da ein Akt der Aggressivität hinter stünde, sondern einfach, weil das vermeintlich Verbotene doch eigentlich normal ist. Wie Harley Weir es so immer wieder schafft, Grenzen aufzulösen, zeigt ab dem 2. Dezember erstmalig die Ausstellung “Boundaries” im Foam in Amsterdam. Dabei soll allerdings kein klares Statement zur Modewelt abgegeben, sondern mit den gezeigten Werken Platz für eine eigene Interpretation dessen geschaffen werden, mit dem Harley Weir der Pop-Kultur immer wieder auf der Nase herumtanzt.

Dafür fotografiert sie Calvin Klein-Models unter den Rock, legt den Rapper Young Thug für Dazed & Confused im Leo-Morgenmantel auf einen roten Sportwagen oder fährt mir der britischen Modedesignerin Grace Wales Bonner nach Indien, um sich auf die Reise durch das Land und nach einem neuen Bild von Männlichkeit zu machen. Harley Weir schafft durch ihre Kamera keine neue Realität, kreiert sich keine eigene Welt, sondern bildet einfach die ab, die es schon gibt – aber nicht im rechten, sondern im echten Licht.

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Pop Magazine FW, 2014 © Harley Weir

Die Ausstellung “Harley Weir – Boundaries” ist vom 2. Dezember 2016 bis zum 19. Februar 2017 im Foam in Amsterdam zu sehen.