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Berlin Art Guide: die Kunst zu finden

Von , 24. May 2017

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© Jan Windszus

Für unseren Art Guide nimmt uns Kuratorin Elodie Evers mit auf einen Kunststreifzug durch Berlin und verrät uns ihre Galerie-Highlights – perfekt für die anstehenden Feiertage

Schon Marcel Duchamp sagte “Die großen Künstler von morgen werden in den Untergrund gehen!” – deshalb führt uns Elodie Evers erst einmal auf anderen Wegen durch die Stadt. Sie ist Kuratorin und entdeckt in Garagen und Kellergewölben die Künstler, die ihr wichtig sind:

Kraupa-Tuskany Zeidler

Diese Galerie vertritt eine ganz eigene Ästhetik; das merkt man schon an ihren Räumen. Sie liegen in einem Hochhaus am Berliner Alexanderplatz, in dem eine kafkaeske Stimmung herrscht: lange Flure, Teppichboden, viele verschlossene Türen. 2016 hat die Künstlerin Rachel Harrison die Atmosphäre in einer Installation aufgegriffen und ihre Skulpturen wie Menschen in eine Art Konferenzzimmer gesetzt. Zu den von der Galerie vertretenen Künstlern gehören auch Kollektive wie Slavs und Tatars und GCC, was ich ganz wichtig finde für Berlin. GCC steht für dei arabischen Golfstaaten, und in dieser Stadt sind Künstler aus dem arabischen Raum grundsätzlich unterrepräsentiert.

Karl-Liebknecht-Straße 29, 4. Stock 10178 Berlin, www.aktnz.com

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Schwules Museum

Es verschlägt leider viel zu wenige Besucher in dieses Haus, obwohl die Kuratoren ein wirklich gutes Programm machen. Die aktuelle Schau etwa thematisiert, wie “ğ-queere Formen migrieren”, also der Austausch von LSBTIQ*-Menschen aus der Türkei und Deutschland aussieht. Viele der Arbeiten zeugen von einem Leben, das man durch die Politik Erdoğans kaum mehr zu Gesicht bekommt. Banu Cennetoğlu aus Istanbul etwa stellt uns Masist Gül vor, einen Bodybuilder armenischer Herkunft, der nicht nur Schauspieler war, sondern auch Zeichner der die männliche Idolfigur, die er selbst repräsentierte, auf vielen seiner Bilder bricht.

Lützowstraße 73, 10785 Berlin, www.schwulesmuseum.de

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Mavra

In Berlin gibt es große Institutionen für Gegenwartskunst − Hamburger Bahnhof, Neue Nationalgalerie, Berlinische Galerie. Aber viele der hier lebenden Künstler fallen aus dem kuratorischen Raster, sodass sie so gut wie nie in Berlin ausstellen. Projekträume sind deshalb sehr wichtig für die Stadt, sie ermächtigen sich der Repräsentation, die vielen verwehrt bleibt. Mavra wird von drei Künstlern betrieben, die ihre eigenen Arbeiten nicht dort ausstellen, sondern anderen ihren sehr speziellen Ort überlassen − eine Garage. Die Künstler Mark Soo, Julian Stalbohm und Nuri Koerfer haben sie vor einigen Jahren in einem Hinterhof entdeckt. Die Fotografien von Sandra Mujinga wurden hier gerade zum ersten Mal in Berlin überhaupt gezeigt, spontan werden Konzerte organisiert, manchmal bekommt man erst drei Tage vorher Bescheid. Wer die Ausstellungen sehen will, sollte vorher anrufen.

Möckernstraße 68, 10965 Berlin, www.mavra.info

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Tanya Leighton

Die Galeristin hat mittlerweile zwei Ausstellungsräume auf der Kurfürstenstraße, ich mag beide sehr, vor allem, den an der Straßenecke. Er sieht aus wie eine kleine weiße Kapelle. Ein paar Stufen führen hinauf in den ersten Ausstellungsraum, von dort gelangt man ebenfalls über Treppen in einen zweiten Raum, alles ist verwinkelt. Tanya legt sich nicht auf hippe Kunst fest, sondern kombiniert junge mit tradierten Positionen wie Aleksandra Domanović, Jahrgang 1981, und John Smith, Jahrgang 1952. Außerdem lädt sie immer wieder internationale Gastkuratoren ein, durch die ich tolle Künstler entdecke.

Kurfürstenstraße 156 & 24/25, 10785 Berlin, www.tanyaleighton.com

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Bob’s Pogo Bar

In den Kellergewölben des KW Institute for Contemporary Art gab es in den 90er-Jahren eine legendäre Pogo Bar. Sie war ein ganz besonderer Ort, an dem sich Künstler getroffen haben und der endlich wiederbelebt wurde. Mitte ist ja seit Jahren ausgestorben: was man nun aber donnerstagsabends in den von Robert Wilhite designten Räumen erlebt, lässt hoffen. Jede Woche ist jemand anderes für die Gestaltung verantwortlich. Vor Kurzem wurde ein Abend organisiert, der so streng konzipiert war, als handele es sich um eine exklusive Gala-Party mit RSVP-Gästeliste und so. Die best Party ever zu organisieren war Teil des Programms; es kam mir sogar so vor, als wären Leute nur zum Flirten eingeladen worden, um den Gästen ein gutes Gefühl zu geben.

Auguststraße 69, 10117 Berlin, www.kw-berlin.de

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Oracle

Auch dieser Projektraum gehört zu den kleinen, feinen Orten in Berlin, in denen die Betreiber Bärbel Trautwein und Daniel Herleth große Arbeit leisten. Sie erliegen auch nicht diesem Neuentdeckerhype, sondern zeigen Künstlerinnen wie Ariane Müller, eine sehr wichtige Figur in der Kunstszene der Stadt, die zum Beispiel das Kunstmagazin Starship mitgegründet hat.

Joachimsthaler Straße 14, 10719 Berlin, www.theoracle.works

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© Jan Windszus

Dieser Artikel ist in der Mai 2017-Ausgabe von L’Officiel erschienen