Lifestyle

Buchtipps fürs Wochenende

Von , 3. February 2017

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ICH HASSE DIESES INTERNET von Jarett Kobek, Fischer Verlag

Manche verabschieden sich gleich vom Leben, andere stellen sich sämtlichen Katastrophen – hier kommen unsere Buchtipps zum Wochenende

Man kann sich Zeitungen unter die Jacke stopfen oder einen Roman lesen. Auch die Protagonisten unserer Winter-Bücher sind erfinderisch und liefern uns bestes Material für unser Bücherregal.

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Wenn Kinder heute aufmüpfig sind, findet man das entweder niedlich oder man steckt sie schlimmstenfalls in die ADHS-Sprechstunde. Im Jahr 1918 hatte es schlimmere Konsequenzen. Die Protagonistin in Irmgard Keuns Exilroman bekommt von ihrer verkniffenen Feindin Fräulein Knoll Umgangsverbot mit den anderen Kindern auferlegt. Ihr Vater wird zum Verbündeten. Herzzerreißend und weise.
DAS MÄDCHEN, MIT DEM DIE KINDER NICHT VERKEHREN DURFTEN von Irmgard Keun, Kiepenheuer & Witsch, 208 Seiten, etwa 16 Euro

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Der Winter mag zwar einigen auf die Stimmung schlagen, die Selbstmordrate treibt er aber nicht in die Höhe. Warum Menschen sich immer wieder entscheiden, aus dem Leben auszusteigen, und mit welchen kreativen Hilfsmitteln, hat die Berliner Autorin Anne Waak in Anekdoten und Dokumenten zusammengetragen. “Liebe Welt, ich gehe, denn mir ist langweilig”, notierte George Sanders, bevor er eine Überdosis Schlaftabletten nahm.
DER FREIE TOD von Anne Waak, Blumenbar Verlag, 240 Seiten, etwa 18 Euro

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„Das Innere des Lebens wurde viel kleiner als das Äußere, und es entstand ein Hohlraum, eine Leere. Genau darum hatte die Bar-Mizwa eine solche Bedeutung”, kommentiert der Erzähler aus Jonathan Safran Foers neuem Roman. An was hält man sich als New Yorker Familie, wenn gerade alles splittert? Sorge, Humor, Haustier, Traditionen?
HIER BIN ICH von Jonathan Safran Foer, Kiepenheuer & Witsch, 720 Seiten, etwa 26 Euro

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„Alle waren entbehrlich. Die Menschen in San Francisco. Die Einsteiger. Die erfahrenen Stars. Die Mitgründer.” Nur das Internet selbst ist nicht mehr entbehrlich. Jarett Kobek hat ein rasantes Update über unsere Zeit verfasst, wo Shitstorms schlimmer sind als Schneestürme und Vernetzung ultimativen Profit bedeutet.
ICH HASSE DIESES INTERNET von Jarett Kobek, Fischer Verlag, 368 Seiten, etwa 20 Euro

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Aus diesem (Jugend-)Buch wird in absehbarer Zeit ein Feel-good-Movie gemacht. Bevor Hollywood es interpretiert, sollte man es aber noch schnell lesen. Es versammelt wirklich alle Farben des Emotionsspektrums. Erzählt wie nebenbei, trotzdem voller Poesie. Jandy Nelsons zweiter Bestseller handelt von den unzertrennlichen Zwillingen Jude und Noah. Jude entdeckt roten Lippenstift für sich, ihr Bruder Noah verliebt sich in einen Jungen. Ein paar Jahre später reden die beiden nicht mehr miteinander. Was ist passiert? Bunter Kometenschauer!
ICH GEBE DIR DIE SONNE von Jandy Nelson, cbt Verlag, 480 Seiten, etwa 18 Euro

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Seit Alfred Döblin vom Alexanderplatz und Irmgard Keun vom kunstseidenen Mädchen erzählte, gilt Berlin als Metapher für das wilde Leben. Für das Rohe, Unfertige, für Egalness und Verehrung des Scheiterns. In dieser literarischen Tradition stehen zwei Romane des vergangenen Herbstes. Apollokalypse nennt Gerhard Falkner die Lebensabenteuer eines Künstlers, der im Berlin der 80er und 90er den verwegenen Kerl spielt. Falkner, im Hauptberuf Lyriker, gelingen poetische Stadtbeschreibungen. Deutlich depressiver schildert Markus Liske die Stadt. Ich-Erzähler Max, eines der Glücksschweine, taumelt auf der Suche nach Sinn durch die Nachwendejahre, aus der Bahn geworfen vom Selbstmord des besten Freundes. Berlin: das Herz der Finsternis. Die Bewohner: egozentrisch, gestört, zerrissen zwischen Selbsthass und Suche nach Liebe. Motto: Man verliert, egal, was man tut. Zur Erholung kann man dann Sungs Laden von Karin Kalisa lesen. Ein warmherziges Sommermärchen, Utopie einer verwandelten Stadt voller guter Laune und sich verbrüdernder Menschen. Eine zentrale Rolle spielen eine vietnamesische Wasserpuppen-Theaterspielerin, eine Hebamme und eine Kunstlehrerin.
SUNGS LADEN von Karin Kalisa, Droemer Knaur, 256 Seiten, etwa 10 Euro

Dieser Artikel ist in der Januar/Februar 2017-Ausgabe von L’Officiel erschienen