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Doku-Tipp: „Iran im Herzen“ auf Arte

Von , 4. January 2016

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In Katrin Sandmanns fünfteiliger Reportage begeben sich zwei junge Exil-Iranerinnen auf eine Reise durch ihre Heimat Iran – und eröffnen dem Zuschauer einen einzigartigen wie persönlichen Blick auf ein Land, das vielen von uns bislang unbekannt war

Im Sommer 2015, das Jahr des historischen Atom-Abkommens, machen sich zwei aus dem Iran stammende Frauen auf den Weg in ihre ehemalige Heimat. Beide haben in Europa ein neues Zuhause gefunden: Elnaz Sadooghi ist 2012 aus Teheran nach Berlin gezogen. „Ich möchte meinen europäischen Freunden meine Heimat Iran jenseits der Politik und der gängigen Vorurteile zeigen,“ lautet die Mission ihrer Reise. Das Land, sagt sie, besäße so viel mehr als nur ein Gesicht. Wie vielen Europäern, erschien aber auch Sarah Doraghi ihr Geburtsort Iran bislang immer wie ein Geheimnis. Sie hat Teheran im Krieg Anfang der 80er Jahre als Kind verlassen und lebt seitdem in Paris – „Ich will wissen, was es heißt, Französin mit iranischen Wurzeln zu sein. Könnte ich hier leben?“
Von Teheran über Isfahan in die alte Wüstenstadt Yasd, bis ans Kaspische Meer und weiter in die “Seidenstadt” Kaschan – ihre Reise führt die Frauen kreuz und quer durch die Islamische Republik, mit ihren eindrucksvollen
Palästen, Moscheen, Basaren und Gärten. Überall machen sie neue Bekanntschaften, begegnen aber auch alten Freunden und treffen natürlich ihre Familienmitglieder. Bis dato dürfte es kaum einen persönlicheren, tieferen und authentischeren Einblick in dieses Land gegeben haben. Wer sind die Iraner? Wovor haben sie Angst? Woran glauben, worauf hoffen sie? Dies sind die Fragen, die Elnaz’ und Sarahs Reise anführen und auf die sie so erstaunliche wie ehrliche Antworten bekommen.

Während ihres fünfwöchigen Abenteuers tauchen die beiden Protagonistinnen tief in die iranische Gesellschaft ein: Sie wandeln auf den Spuren ihrer Kindheit, erforschen die Rolle des Glaubens im Gottesstaat Iran, entdecken dessen lebendige zeitgenössische Kulturszene und reisen an ihre persönlichen Sehnsuchtsorte. Während ihrer Begegnungen erfahren sie unter anderem, was man in der Islamischen Republik am Strand trägt, was es mit der Religion der Zoroastrier auf sich hat, wer Irans meist gehypte Popband ist, wo man in ihrer alten Heimat Kaviar kauft, was das Geheimnis des armenischen Kaffees ist, warum Männer im Iran selbstgehäkelte Schuhe tragen, Akupunktur dort Botox längst abgelöst hat und der Ursprung des Fitnessstudios im Iran liegt.
So zeigt diese Doku-Reihe vor allem die Seiten Irans, die bei all den politischen Verwerfungen der vergangenen Jahrzehnte in Vergessenheit geraten sind: Die faszinierende Schönheit des Landes, seine einzigartigen
Kulturschätze sowie die Weltgewandtheit seiner Bewohner. Und ermöglicht damit eine frische Perspektive auf ein Land, das über Jahrzehnte ausschließlich als Außenseiter der Weltgemeinschaft galt.

„Iran im Herzen“ (2015). Die Doku-Reihe von Katrin Sandmann (Produktion: Kobalt Documentary) wird erstmals vom 04. bis 08. Januar 2016 auf Arte ausgestrahlt: Folge 1 „Heimkehr“ am 04. Januar um 15:54 Uhr, Folge 2 „Glaube“ am 05. Januar um 15:21 Uhr, Folge 3 „Künstler“ am 06. Januar um 15:49 Uhr, Folge 4 „Sehnsuchtsorte“ am 07. Januar um 15:34 Uhr, Folge 5 „Überraschungen“ am 08. Januar um 15:40 Uhr. Wiederholung: 13. und 14. Januar 2016 ab 10:10 Uhr. (Anm. d. Red.: Die fünfteilige Dokumentation ist mittlerweile auch bei YouTube abrufbar).

Tags: #Feature, #Film, #Kultur