Lifestyle

Dinner mit Dalí

Von , 5. October 2016

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Die Diners mit Gala, Seite 32-33 © Salvador Dalí. Fundació Gala-Salvador Dalí, Figueres, 2016

Der TASCHEN Verlag legt Salvador Dalís surrealistisches Kochbuch “Die Diners mit Gala” neu auf – #foodporn gets real

„Les dîners de Gala ist einzig den Freuden des Gaumens gewidmet. … Sollten Sie ein Jünger jener Kalorienwieger und -wäger sein, die die Freuden des Mahles in Strafen verwandeln, so schließen Sie dieses Buch sofort: Es ist viel zu lebendig, viel zu aggressiv und viel zu herausfordernd für Sie.“ — Salvador Dalí

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Die Diners mit Gala, Seite 20-21 © Salvador Dalí. Fundació Gala-Salvador Dalí, Figueres, 2016

Die aktuelle “Food”-Landschaft scheint wenig herausfordernd und noch weniger aggressiv. Ein einheitlich grüner Brei, mal heiß mal kalt, wird da seit geraumer Zeit auf Sparflamme in den kosmopolitischen Großstädten gekocht. Soll es an dieser Stelle zwar keine Grundsatzdiskussion um vegane Superfoods und Smoothies werden, so wollen wir jedoch eine Tatsache kurz festhalten: gesund und schmackhaft ist nicht gleichbedeutend mit inspirierend und leidenschaftlich.

Wohingegen man in den vergangenen Jahrzehnten mit Opulenz und großen Portionen auf großen Tellern protzte, so glänzt man heute mit kompromissloser Zurückhaltung und Minimalismus. Bestes Beispiel: Die Berlin Food Week, eine Trendveranstaltung – attraktiv, aber sicherlich nicht Avantgarde.

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Die Diners mit Gala, Seite 200-201© Salvador Dalí. Fundació Gala-Salvador Dalí, Figueres, 2016

Die dekadenten Dinner, die Surrealist Salvador Dalí und seine Gattin Gala zu Lebzeiten gaben, waren legendär und visionär. Es ging es um Fantasie, Kunst, Geschmack und Gaumen. Surrealismus auf der Dinnertafel.

Mit sechs Jahren wollte ich Köchin werden”, schrieb Dalí. Achtundsechzigjährig verwirklichte er dann seinen Kindheitstraum, publiziert 1974 im Propyläen-Verlag. Und beim Durchblättern seines Kochbuchs Die Diners mit Gala wundert man sich bald: ein Kochbuch, das den Anschein gibt, mehr über eine Person zu erzählen, als eine ganze Autobiografie. Jede einzelne Seite trägt kompromisslos die Handschrift des Surrealisten. Inhalt sowie Ästhetik bewegen sich am Rande der Erträglichkeit, so beladen ist das Buch mit epischen Überschriften wie Fürstliche Torheiten, Herbstliche Kannibalsmen, Die köstlichen kleinen Martyrien und grandiosen, den Inhalt sprengenden, Illustrationen von Dalí und Hyronimus Bosch. Dalí, ohne Frage, war stark beeinflusst von dem niederländischen Maler der Renaissance.

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Die Diners mit Gala, Seite 56-57 © Salvador Dalí. Fundació Gala-Salvador Dalí, Figueres, 2016

Vom Layout bis zu der Bebilderung ist der neuaufgelegte Band eine einzigartige Inspirationsquelle, die uns zwischen ästhetischem Ekel und tiefer Faszination zurücklässt. Das skurrille Buch ist in diesem Sinne also alles, was der aktuelle Food-Trend nicht ist und vielmehr: #foodporn for real. Ob wir daraus jemals kochen werden ist völlig egal,  bleibt Die Diners mit Gala ohnehin mehr Bildband als Kochbuch.

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Die Diners mit Gala, Buchauszug

 “Dalí. Die Diners mit Gala”, erschienen im TASCHEN Verlag, 320 Seiten, ca. 50 Euro