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Berlin Biennale

Von , 2. June 2016

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DIS, kuratorisches Team der 9. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst. Foto: Julia Burlingham

Nach dem Gallery Weekend im Mai wurde es nur kurz leise in der Berliner Kunstszene. Am Freitag beginnt nun die 9. Berlin Biennale und die Stadt meldet sich umso lauter zurück. Aber wer spielt diesmal im Orchester?

Seit 1998 zeigt sich die Berlin Biennale im zweijährigen Rhythmus an den unterschiedlichen Ausstellungsorten der Stadt. Doch anstatt wie in den vergangenen Jahren auf „verlassene“ Räume zurückzugreifen, werden in diesem Jahr bekannte Touri-Spots zu Ausstellungsorten deklariert. So rückt plötzlich der Pariser Platz oder auch ein Ausflugsschiff der Spree namens „Blue-Sky“, ins Zentrum der Biennale. Orte, so beschreibt sie das aktuelle Kuratoren-Team, die unsere Welt und deren Werte im Jahr 2016 zunehmend prägen und Kultur, die zum Kapital wird.

Aber wer sind die diesjährigen Kuratoren überhaupt? Auch hier gab es eine zukunftsweisende Wahl: Bereits 2014 wurde das aus New York stammende Quartett DIS zu den Biennale Kuratoren Berlins ernannt. Sie selbst bezeichnen sich als Künstlerkollektiv und etablierten sich nach ihrer Gründung 2010 schnell in der „Post-Internet Art“ Szene – der Kunst einer Generation also, aus deren Lebensgefühl das Internet nicht mehr wegzudenken ist. Ihre Einflüsse und kritische Haltung dem digitalen Zeitalter gegenüber, spiegeln sich nun auch in der Kuration der Biennale wider – angefangen bei dem Webauftritt der Ausstellung bis hin zur Künstler- und Ausstellungsorte-Wahl. Geht man nämlich auf die überraschend polierte und kommerziell anmutende Website der Biennale, so könnte man meinen, man ist unabsichtlich auf der Seite der Deutschen Bank oder eines anderen Großkonzerns gelandet. Die Irritation ist groß und DIS spielt bewusst mit unseren Werte- und Wahrnehmungstäuschungen.

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Amalia Ulman, „Excellences & Perfections“, via instagram.com/amaliaulman. © Amalia Ulman
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Josephine Pryde Here Do You Want To, 2014 . © Galerie Neu

Daneben beinhaltet die Liste der ausstellenden Künstlerinnen und Künstler so internationale Namen wie die Künstlerin und Fotografin Josephin Pryde, das aus London stammende Kollektiv ÅYR oder die zurecht gefeierte Amalia Ulman. Sie alle setzen sich in ihrer Arbeit ebenso mit der digitalen Revolution und deren Folgen auseinander. Pryde wurde kürzlich erst für den bekannten Turner-Prieze nominiert und Ulman stellte jüngst ihre Social-Media Arbeit in der Tate Modern aus. Halten wir also schon jetzt fest: Die Richtung der 9. Berlin Biennale ist so experimentell und zukunftsgewandt wie noch nie und eins ist dabei klar – sie wird polarisieren.

Alle Ausstellungsorte gibt es hier noch einmal als Übersicht und in unserer Map:

Akademie der Künste
Die Akademie der Künste am Pariser Platz ist eine historische Stätte, die durch eine großzügige Glasarchitektur neu gefasst wurde. In unmittelbarer Nähe zum Regierungsviertel kommen hier die visuellen Codes des Staates exemplarisch zum Ausdruck: nationales Erbe und der Glanz der Transparenz. Die Berlin Biennale wird die verschiedenen Passagen sowie Aufenthalts- und Veranstaltungsräume des Gebäudes besetzen.

ESMT European School of Management and Technology
Die ESMT European School of Management and Technology, eine private Wirtschaftshochschule, befindet sich im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR. Die sozialistische Vergangenheit des Baus wird überlagert von den aktuellen Codes der globalen Wirtschaft; staatssozialistische Ästhetik wacht über Liveübertragungen des deutschen Aktienindex und über eine hochmoderne Wirtschaftsausbildungseinrichtung für künftige Führungskräfte.

The Feuerle Collection 
Am Landwehrkanal in Kreuzberg wird ein ehemaliger Telekommunikationsbunker renoviert und in seiner neu gestalteten Form die Feuerle Collection beherbergen. Als private Sammlung von musealem Ausmaß, die für die Öffentlichkeit zugänglich ist, verdeutlicht der Ort den steten Zulauf von SammlerInnen nach Berlin und die verschiedenen öffentlich-privaten Partnerschaften, die die Kulturwirtschaft der Stadt antreiben.

KW Institute for Contemporary Art
Die Räumlichkeiten der KW Institute for Contemporary Art bilden einen Punkt der Kontinuität im Hinblick auf das historische Erbe der Berlin Biennale. Die Umgebung steht für das öffentliche Image eines Berlins der Insider. Die Häuser mit ihren ehemals maroden Fassaden und den exklusiven Interieurs, die Permalancer in den trendigen Cafés sind ein Gegenpart zur öffentlichen Bühne am Pariser Platz.

Das Fahrgastschiff Blue-Star der Reederei Riedel
Das Fahrgastschiff Blue-Star der Reederei Riedel wird als Ausstellungsort sowie als Ort für Veranstaltungen und Performances dienen. Es wird auf der Route fahren, die auch von normalen Ausflugsschiffen auf der Spree frequentiert wird, vorbei an der Museumsinsel und dem Regierungsviertel. Die BesucherInnen werden hier zu TouristInnen, den typischen SammlerInnen und VermittlerInnen heutiger Erlebnisräume.

Laufzeit der Ausstellung: 4.6.–18.9.2016
Eröffnung 3.6.2016, 19–22 Uhr, an allen Ausstellungsorten (öffentlich)
Erster Publikumstag 4.6.2016, 11–19 Uhr