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Art Basel: die Zeit der Kunst

Von , 15. June 2017

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Der Südafrikaner Robin Rhode (*1976) ist ein Aktionskünstler, der in seine Happenings Fotografie, Video, Graffiti und Zeichnung mit einbezieht. In seinem riesigen Berliner Studio heckt er immer neue Großprojekte aus, z. B. eine Oper, die er auf dem Times Square, New York, aufführen ließ. Diese Arbeit heißt Evergreen (detail) und ist von 2017. Courtesy der Künstler und Stevenson Gallery, Kapstadt & Johannesburg

Die Art Basel ist die Mutter aller Messen für moderne Kunst. Vom 15. bis zum 18. Juni 2017 messen rund 4000 Künstler im schweizerischen Basel 
ihren Marktwert und ihren Wert an sich. Seit 2013 unterstützt die Schweizer Luxusuhren-Manufaktur Audemars Piguet alle Messen der Art Basel. Ein Gespräch mit Olivier Audemars, 57, Urenkel des Mitgründers Edward Auguste Piguet über seine besondere Passion für Kunst

Es ist ein Geschiebe und Gedränge, ein Hochkochen von Kreativität, Interesse, Geschäft, ein Drahtseilakt der Galeristen, die um Sammler und Kuratoren buhlen, eine Zurschaustellung von Reichtum, Exzentrik und Insiderwissen – eine flirrende Atmosphäre und sehr, sehr champagnerlastig. Die Rede ist von der Art Basel, der Königin aller Kunstmessen, die jährlich im Schweizer Städtchen Basel stattfindet. Gegründet 1970 von drei Galeristen, lockte man schon im Anfangsjahr mit 90 Galerien über 16 000 Besucher an. Heute sind es an die 300 Galerien, die von knapp 100 000 Kunstinteressierten heimgesucht werden. 2002 wurde der Ableger Art Basel Miami Beach gegründet, seit 2013 gibt es die Art Basel Hong Kong. Klassisch gut und allseits beliebt bleibt jedoch die Muttermesse mit ihrer Sonderschau „Unlimited“, die raumgreifende Installationen auf Museumsniveau in einer eigenen Halle präsentiert – in diesem Jahr werden es 76 Projekte sein.

Was ist so spannend an Kunst?

Künstler haben eine andere Art, Dinge zu sehen. Und indem sie uns ihre Sicht zeigen, ändern sie auch unseren Blick. Wir werden offener, können Handlungen überdenken, Sachen anders machen. Diese Erkenntnis haben wir dem Fotokünstler Dan Holdsworth zu verdanken. Er sollte das Vallée de Joux fotografieren, in dem die Manufaktur von Audemars Piguet steht. Das Resultat hat uns völlig überrascht.

Überraschung gehört schließlich zu Kunst …

Ja, aber wir hatten Bergromantik mit blauem Himmel erwartet. Stattdessen bekamen wir Steine, Felsen, einen dunklen Wald, lauter Wolken. Ehrlich: Das war ein Schock. Wir dachten schon, er hätte das in England fotografiert. Dann haben wir nachgedacht, über unsere Herkunft. Warum sind unsere Vorfahren damals in dieses Tal gekommen? In diese unwirtliche Gegend? Sie wollten frei sein, unabhängig vom französischen Hof. Sie hatten nur die natürlichen Ressourcen, die man auch auf Dans Bildern sieht. Erz zur Eisengewinnung. Und, während der langen Winter, viel Zeit. Also beschäftigten sie sich mit der Fertigung komplexer Dinge. Wie der Mechanik einer Uhr.

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© Olivier Audemars

Wie ging es dann weiter?

Wir haben mittlerweile eine Art Commission etabliert, die jedes Jahr einen Kurator benennt. Dieser lädt drei bis fünf Künstler ein, die uns besuchen und sich inspirieren lassen. Sie machen ein Konzept, und einer von ihnen darf es dann umsetzen.

Gibt es Vorgaben?

Das Format ist frei: Ob Fotografie, Malerei, Video, Sound, etc – alles ist möglich. Die einzige Vorgabe ist, dass es in der künstlerischen Arbeit um Zeit gehen sollte, um Natur, um Komplexität. Wir stellen die Ressourcen zur Verfügung. Bei dem Werk von Robin Meier ging es um Synchronizität. Er machte eine Installation mit Glühwürmchen. Wir haben ihm geholfen, indem wir ihn mit Wissenschaftlern zusammengebracht haben.

Glühwürmchen?

Ja, und es war ein schönes Beispiel auch für uns: Als ich bei Audemars Piguet anfing, waren da 200 Leute. Heute sind wir 1500. Einige sind in Singapur stationiert, andere in Mexiko. Sie kommen zwar einmal im Jahr ins Vallée, aber wir müssen sicherstellen, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen. Jeden Tag. Dass sie unsere Werte einhalten. Das Experiment mit den Glühwürmchen, die auch aus verschiedenen Teilen der Welt stammten, hat uns gezeigt, wie Einklang geht. Wir sind natürlich keine Glühwürmchen, aber es war inspirierend.

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Das Künstlerduo Bárbara Wagner (*1980) & Benjamin de Burca (*1975) arbeitet seit 2013 zusammen. In ihren Filmen geht es um Identität, Popkultur und Tradition. Faz Que Vai von 2015 (Foto) thematisiert den „Frevo“, einen Musik- und Tanzstil, der vor allem zum Karneval gespielt wird und von akrobatischen und witzigen Einlagen lebt. Courtesy Galeria Fortes D’Aloia & Gabriel, São Paulo & Rio de Janeiro

Welches Ihrer Projekte hat Sie noch beeindruckt?

Sun Xun. Ihn haben wir letztes Jahr in Miami präsentiert. Teil seiner Installation war ein Neun-Minuten-Film. Eine Animation aus Einzelbildern, die Holzschnitte zeigen. 18 in einer Sekunde. Also 10 000 Bilder. 150 Leute haben daran gearbeitet. 18 Monate. Für uns sind es nur neun Minuten. Für ihn waren es 18 Monate im Leben von 150 Leuten. Bei Minute 2:15 hat vielleicht jemand seinen Vater verloren, da war dann eine Traurigkeit. Bei 7:08 hat vielleicht jemand ein Baby bekommen, da war dann große Freude. Im Film ist all dies drin, aus allen Leben, als Konzentrat. Die Uhrmacher arbeiten genau so monatelang an einer einzigen Uhr. Vielleicht schaffen sie 30 Uhren in ihrem Leben. Eine Uhr ist dann nicht nur ein Stück Metall, sondern ein Teil ihres Lebens, das ich an meinem Handgelenk trage.

Wann haben Sie die Kunst für sich entdeckt?

Ich bin Ingenieur der Mathematikwissenschaft. Mich interessiert, wie Dinge funktionieren. Quantenphysik. Daher haben mich zunächst Künstler fasziniert, die in ihrer Arbeit eine gewisse Logik verfolgen. Es gibt dieses Buch „Gödel Escher Bach – ein endloses geflochtenes Band“, das das mathematische Werk Kurt Gödels mit den Kunst-Illustrationen von M. C. Escher und der Musik von Johann Sebastian Bach verbindet. Das hat mich sehr beeindruckt, und erst da habe ich Künstler gemocht, die so gemalt haben wie Escher, also etwa René Magritte. Das Interesse an zeitgenössischer Kunst kam erst mit unseren eigenen Kunstprojekten.

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Der TV-Buddha von Nam June Paik (1932–2006) ist eine Ikone der Videokunst. Erstmalig 1974 präsentiert, reflektierte er nicht nur die veränderten Sehgewohnheiten einer Fernsehkultur, sondern auch auf ironische Art den Gegensatz östlichen und westlichen Denkens. In dieser Variante von 1989 filmt sich der Buddha selbst – rückblickend ein cooles Selfie-Statement. Courtesy of James Cohan Gallery

Sammeln Sie selbst auch?

Das Gute an der Art Basel oder dem Gallery Weekend ist, dass man Gelegenheit hat, die Künstler oder Kuratoren zu treffen und mit ihnen diskutieren zu können. Das Problem ist, dass ich schon viel zu viel Kunst habe. Mein Haus in der Schweiz ist nicht so groß, außerdem habe ich kaum Wände, mehr Fenster. Entweder kaufe ich also ein neues Haus oder … keine Ahnung. Ich muss da eine Lösung finden.

Vielleicht ein eigenes Museum?

Das wäre eine Möglichkeit. Es ist einfach schon zu viel. Meine Frau hat vor ein paar Jahren für eine kleine Kunstzeitschrift in der Schweiz gearbeitet. Das war ein teures Vergnügen. Denn jedes Mal, wenn sie einen Künstler interviewte, kam sie mit einem neuen Werk zurück. Das hat zum Glück aufgehört.

Vielen Dank für das Interview!

Die Art Basel findet vom 15. bis 18. Juni 2017 statt, mit zwei privaten Vorabtagen. Ein Tagesticket kostet 60 Schweizer Franken, online 50 Schweizer Franken, ein Abendticket nach 17 Uhr 28 Schweizer Franken. Vernissage-Ticket für den 14. Juni: 150 Schweizer Franken – artbasel.com

Dieser Artikel ist in der Sommer 2017-Ausgabe von L’Officiel Hommes erschienen