Lifestyle

Héroï­nes: Alessandra Garcia-Lorido

Von , 26. September 2016

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Alessandra Garcia-Lorido 
hinter den Kulissen des Shootings 
für die aktuelle Kollektion 
von MARINA RINALDI © Fotografin: Ellen von Unwerth

Wenn mehr mehr ist: Die 25-Jährige ist das Gesicht von Marina Rinaldi, erfolgreiches Plus-Size-Model – und Tochter von Hollywoodstar Andy Garcia

Wie hat Ihre Model-Karriere begonnen?
Wie in einem Klischee! Ich war mit Freunden in einer Mall, und eine Frau kam auf mich zu und sagte, sie starte gerade eine Model-Agentur und wolle mich unter Vertrag nehmen. Ich war auch interessiert, aber ich wollte studieren und bin aufs College gegangen und habe es total vergessen. Zwei Jahre später machte meine Schwester ein Fotoshooting – sie ist Schauspielerin – und zufällig in dem Studio, das dieser Agentur gehört. Meine Schwester hat ihnen gesagt: Ihr müsst meine Schwester kennenlernen, ihr würdet sie lieben! Und als ich dort ankam, stellten wir fest: Oh, wir haben uns schon vor zwei Jahren getroffen! Von da an rollte der Ball – was großartig ist.

Sie sind sehr offensiv und meinungsstark 
in Ihrer Kritik an “unrealistischen Schönheitsstandards” und fordern Frauen auf, stolz auf ihren Körper zu sein. Wie hat sich das entwickelt?
Ich glaube, die Tatsache, dass ich immer einen anderen Körpertypus hatte als alle meine Freundinnen, hat mir ermöglicht, einen anderen Blick darauf zu entwickeln, wer ich bin. Was manche Leute vielleicht als Fluch empfänden, war für mich ein Segen. Mir wurde klar, dass ich anders bin und dass das nicht notwendigerweise schlecht ist, sondern einfach eine Tatsache. Die Gesellschaft hat ein Bild von Perfektion geschaffen, das nicht unbedingt sagt, was wirklich perfekt ist – denn “perfekt” gibt es nicht. Ich habe mich entschieden zu akzeptieren, wer ich bin, und die Unterschiede zu betonen. Warum ich einzigartig bin, dass mein Körper kurvig ist – anstatt mich auf Negatives zu konzentrieren und zu versuchen, etwas zu ändern, das sich niemals ändern wird. Ich war immer so. Auch auf Kinderfotos war ich immer ein runderes Mädchen.

Ist diese Akzeptanz noch schwieriger, wenn man 
aus einer Hollywood-Familie kommt, mit dem Superstar als Vater und so automatisch eine öffentliche Person ist?
Das war zeitweise wirklich eine Herausforderung, aber es braucht die tägliche Erinnerung daran, wer du bist, und die Akzeptanz dessen, was du bist. In Hollywood wird definitiv eine Lupe auf Frauen gerichtet – auf Männer auch –, und das kann frustrierend sein, weil du jeden Tag die Schönheit in dir sehen willst, und wenn jemand einen negativen Schatten auf dich wirft, dann ist es hart. Aber ich habe eine fantastische Familie und Freunde, die mich lieben. Das hat mir sehr geholfen.

Sie haben einen sehr persönlichen Stil entwickelt. Was gefällt Ihnen besonders in diesem Herbst?
Ich war immer sehr klassisch, aber immer mit einem Twist. Ich liebe Trends, ich liebe Farben, aber ich hatte immer die klassische Silhouette. Ich kaufe sehr viel Vintage, weil ich da mehr einzigartige Sachen finde, die nicht so teuer sind und mir besser passen. Die Marina-Rinaldi-Kollektion hat das für mich auch, weil das klassische Kleidung und großartige Qualität ist, aber sie sind dabei ein bisschen funky, mit tollen Prints, die Mäntel sind grafisch – aber trotzdem zeitlos.

Natürlich stellt man sich vor, Ihr Vater führt eine Familie à la “Der Pate”. Wie ist Ihr —Familienleben? Verbringen Sie viel Zeit zusammen?
Ich bin sehr eng mit meiner -Familie und auf eine Art sehr normal aufgewachsen, für Hollywood. Wir haben jeden Abend um sieben den Tisch gedeckt und zusammen gegessen, mein Vater hat mich morgens zur Schule gefahren, und meine Mutter hat mich abgeholt. Heute lebe ich zwar in New York, aber wir kommunizieren durchgehend. Wir telefonieren und schicken uns Fotos. Familie ist das Wichtigste für mich. Ich habe allein 21 Cousins und Cousinen, die in Miami leben – und ich habe eine Beziehung zu jedem einzelnen!

Dieses Interview ist in der September 2016 Ausgabe von L’Officiel erschienen.