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Interview: Raw-Food-Expertin Theodora von „Live Green Supreme“

19. November 2015

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Bereits als kleines Mädchen hat Theodora auf dem Bauernhof ihrer Großmutter Obst und Gemüse geerntet und sich für gutes Essen begeistert. Heute ist sie überzeugte Pionierin der Raw Food Bewegung und verzichtet freiwillig auf alles, was nicht vegan ist oder auf mehr als 42°C erhitzt wurde. Auf ihrem Blog Live Green Supreme macht die ehemalige PR-Chefin ihren Lesern das Thema Rohkost schmackhaft und teilt ihr Fachwissen und ihre Lieblingsrezepte.

So viele Food Trends und selbsternannte Experten: Was ist denn nun wirklich gesund und gut für den Körper und was schlichtweg nur ein temporärer Hype?

Ich würde mich selbst nicht als „Rawfoodist“ oder Veganer bezeichnen. Vielmehr geht es um den Prozess herauszufinden, welche Ernährung zu mir passt. Was mir generell sehr wichtig ist, sind haufenweise Antioxidantien, Entgiftung der Zellen, Erhaltung von Energie, Anti-Aging und 100% Gehirnleistungsfähigkeit.

Meine Grundpfeiler für eine gesunde Ernährung:

  • auf behandelte Nahrungsmittel verzichten und stattdessen zu Zutaten greifen, die ihrem natürlichen Zustand so nah wie möglich sind
  • möglichst viele Ballaststoffe zu sich nehmen
  • bewusst essen und die Mahlzeiten gründlich kauen
  • zu nährstoffreichen Zutaten greifen, die keine Überreste im Körper hinterlassen, sogenannte „clean foods“
  • täglich einen grünen Saft trinken (kein Obst, sondern vorwiegend aus Gemüse mit grünen Blättern)
  • reichlich Quellwasser trinken und auf gezuckerte Getränke sowie Kaffee und Alkohol verzichten

Das Thema Verdauung spielt bei Rohkost eine große Rolle. Kann unser Körper im 21. Jahrhundert wirklich problemlos all die Nährstoffe knacken und verwerten, wenn man ausschließlich Nahrungsmittel zu sich nimmt, die die 42°C Marke nie überschritten haben? 

Unsere Verdauung beginnt bereits im Mund. Dort werden wichtige Enzyme gebildet, die essentiell für die Bekömmlichkeit von Rohkost und Nahrung im Allgemeinen sind. Gerade bei Raw Food ist ausgiebiges Kauen sehr wichtig, um die Zellwände der Pflanzen zu knacken. Eine tolle Alternative sind Smoothies und Suppen, die man sehr einfach mit einem Blender herstellen kann, ohne dass die Vitamine und Mineralien verloren gehen. Also ja, man muss Rohkost gründlicher kauen, aber die Mühe lohnt sich, denn beim Kochen werden alle Enzyme in unserem Essen zerstört, die so wichtig und gut für unseren Körper sind.

Die Ernährung umzustellen ist für viele eine große Herausforderung und kostet Überwindung. Hast du einen guten Rat für Anfänger? 

Bei mir war das ein allmählicher Prozess. Ich würde niemandem raten einfach ins kalte Wasser zu springen, schon gar nicht, wenn man nicht kerngesund ist. Seit ich 13 bin, bin ich Vegetarier aber gesund gegessen habe ich schon immer. Ich bin auf der Farm meiner Großmutter in der Slowakei aufgewachsen, wo ich bereits als Kind Obst und Gemüse aus unserem Garten geerntet habe. Vor fünf Jahren habe ich dann auch die Milchprodukte weggelassen und ernähre mich seitdem zu 100% von Rohkost. Unser Körper ist so wertvoll und wir sollten ihn sorgfältig behandeln. Je gesünder wir essen, desto stärker und glücklicher fühlen wir uns. Ich glaube sehr an den Satz „You are what you eat“.
Es ist ein absoluter Irrglaube, das gesund Essen viel Zeit in Anspruch nimmt. Im Gegenteil, ein Smoothie oder eine Suppe ist in wenigen Minuten hergestellt und ideal für unterwegs. Es muss ja nicht gleich ein Slow Juicer für Zuhause sein. Ein Mixer reicht für’s Erste absolut.

Hast du nicht trotzdem manchmal Lust auf einen großen Teller Pasta? Wird man von Rohkost richtig satt?

Ich halte es für einen Irrglauben, dass der Mensch essen muss, bis er satt ist. Warum wollen so viele Leute nach dem Mittagessen ein Nickerchen machen? Essen soll uns doch mit Energie versorgen und nicht müde machen. Man sollte viel mehr die Signale des Körpers beachten, das Sättigungsgefühl respektieren und sich nicht ständig überfressen. Pasta steht für mich zum Beispiel nicht auf irgendeiner roten Verbotsliste, sondern ich entscheide mich bewusst dagegen diese ungesunden Fette zu mir zu nehmen. Wenn man seine Ernährung eine Weile umgestellt hat, hört das Verlangen nach Süßem oder Ungesundem irgendwann von selber auf und man will nichts anderes als gesunde Zutaten zu sich nehmen, um für ein gesundes, glückliches und langes Leben zu sorgen.

Welche Rolle spielen Nahrungsergänzungsmittel in dem Zusammenhang?

Meiner Meinung nach sollte man stets zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen, egal was man isst. Ich würde sogar behaupten, dass sie im 21. Jahrhundert essentiell sind. Mit Massenlandwirtschaft, Gentechnik sowie Hormonen und Antibiotika bei der Tierzucht haben die Menschen so stark in die Natur eingegriffen, dass sie nicht länger Nährstoffe im Überfluss liefern kann. Nur im Meer- und Quellwasser gibt es noch ausreichend Mineralien, daher nehme ich täglich Meeresalgen in Form von Spirulina, Nori oder Dulse zu mir.

Wenn wir unseren Körper gegen freie Radikale beschützen wollen, müssen wir mehr Antioxidantien zu uns nehmen und da reicht gesunde Ernährung nicht ganz aus. Ein Bluttest beim Arzt verschafft Klarheit über eventuelle Unterversorgung und daran angepasst machen die richtigen Zusätze viel Sinn.

Welche Nahrungsergänzungsmittel sind allgemein besonders empfehlenswert?

Das Wichtigste ist, hier nicht zu sparen – Qualität vor Quantität! Diese Ergänzungsmittel sind für mich essentiell (unbedingt direkt nach dem Aufstehen auf leeren Magen nehmen):

  • B12, unterstützt den Stoffwechsel der Zellen (beim Kauf darauf achten, dass es sich um Methylcobalamin handelt)
  • D3, leitet das Kalzium in unserem Blut und Knochen
  • systemische Enzyme, je mehr desto besser
  • Probiotika, wichtig für die Darmflora und 60% des Immunsystems
  • Omega 3 Fettsäuren, „Brainfood“
  • je nach persönlichem Defizit: Magnesium, Zink, Eisen, Kalzium, Vitamin C (unbedingt synthetische Inhaltsstoffe vermeiden und zu Produkten auf pflanzlicher Basis greifen)

Was hat sich in den letzten fünf Jahren, in denen du dich ausschliesslich von Rohkost ernährst, verändert?

Die falsche Ernährung ist eine Belastung für das Verdauungssystem und beeinträchtigt im schlimmsten Fall die Gesundheit. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal krank war oder Kopfschmerzen hatte. Haare und Nägel wachsen in Lichtgeschwindigkeit, meine Haut ist weich. Auch meine mentale und körperliche Leistungsfähigkeit hat sich gesteigert. Mein Energielevel ist konstant hoch und trotzdem kann ich zur Ruhe kommen. Mit dem Entgiften des Körpers beginnt man irgendwann auch psychischen Ballast abzuwerfen – Prioritäten ändern sich, man erweitert seine Wahrnehmung für sich selbst und sein Umfeld. Raw Eating hat mich nicht nur fitter gemacht, sondern zu einem besseren, bewussteren Menschen.

 

Autorin: Julia Heifer