Beauty

Focus On: Eine koreanische Seifenoper

Von , 31. August 2016

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© Binu Binu

“Binu Binu verkörpert die Idee der koreanischen Badehäuser. Wir haben uns dieses Spa-Ritual zu Herzen genommen und es mit unseren Seifen in eine moderne, visuell ansprechende Version übersetzt” – ein Blick auf ein außergewöhnliches Beauty-Label aus Toronto

Sechs Seifenstücke, ein Körperpeeling und ein Reinigungsbalsam – inspiriert von den berühmten Badehäusern und Traditionen ihres Heimatlands Korea, gründete die Kanadierin Karen Kim im vergangenen Jahr ihre eigene Seifen-Linie, Binu Binu (“Seife Seife” auf Koreanisch). Bisher verkauft die Selfmade-Seifenexpertin ihr rein natürlich und von Hand gefertigtes Sortiment ausschließlich online und in Big Apple, beispielsweise im Dimes Market in Brooklyn. Kein Wunder, dass Kims skulpturale, pastellfarbene Seifenstücke mittlerweile bei so manchem New Yorker Künstler, Fotografen oder Stylisten ins Badezimmer gerutscht sind. Und in unseren Instagram-Feed. Ein Gespräch über die Geheimnisse der Seifenherstellung, koreanische Badehäuser und die Seefrauen von Jeju Island:

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Binu Binu Gründerin Karen Kim ©Binu Binu

Vor der Gründung von Binu Binu hast du in der Modebranche gearbeitet. Wie kam es zur Idee, Seifen herzustellen?
Seifen haben mich schon immer fasziniert. Die Einfachheit der “Wasser-Seife” Beauty-Routine. In den vergangenen Jahren habe ich meiner täglichen Hautpflege immer mehr Schritte hinzugefügt – irgendwann dann hat mich der Overload an Produkten komplett überfordert. Ich mag den skulpturalen Charakter eines simplen Seifenstücks. Mode und Beauty haben durchaus Überschneidungspunkte in ihrer visuellen Ästhetik.

Was ist die Philosophie deines Labels?
Binu Binu verkörpert die Idee der koreanischen Badehäuser: hier erlebt man eine generationsübergreifende Verbundenheit, der Fokus liegt auf Entspannung und das Zeitnehmen für die Reinigung des eigenen Körpers. Wir haben uns dieses Spa-Ritual zu Herzen genommen und es mit unseren Seifen in eine moderne, visuell ansprechende Version übersetzt.

Wie darf man sich einen Besuch in einem koreanischen Badehaus vorstellen?
Für viele Koreaner ist es ein tägliches Ritual. Manchmal verbringen sie den ganzen Tag dort; baden, essen und schlafen. Es ist ein sozialer Ort, an dem man gemeinsam mit Freunden oder der Familie entspannen kann. Am berühmtesten sind die Body Scrubs, „Seshin“ genannt. Dabei wird der gesamte Körper intensiv und effektiv gepeelt. Danach fühlst du dich wie neugeboren. Unser Seshin Korean Body Scrub und die Seshin Korean Scrub Soap sind von diesen Spa-Anwendungen inspiriert.

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Celadon Tea Ceremony Soap, ca. 16 Euro © Binu Binu

Jede deiner Seifen erzählt eine eigene Geschichte, viele davon beziehen sich auf starke weibliche Charaktere in der koreanischen Kultur – welche sind deine Lieblingsgeschichten und wie hast du sie in Inhaltsstoffe übersetzt?
In der koreanischen Kultur gibt es eine ganze Reihe an starken, unabhängigen Frauen. Zum Beispiel die „Haenyeo“ – übersetzt „Seefrauen“. Sie wohnen auf Jeju Island, wo sie jeden Tag ohne Gasflaschen tauchen gehen um mit bloßen Händen Meeresfrüchte zu ernten und diese auf dem Markt zu verkaufen. Viele von ihnen sind weit über 50 Jahre alt, manche sogar in ihren Achtzigern. Oftmals sind sie die alleinigen Ernährer ihrer Familien; ihre Männer nehmen oft die Rolle des Hausmanns ein. Für mich repräsentieren sie nicht nur eine unglaubliche physikalische Stärke, sondern vor allem einen starken Willen. Unsere Haenyeo Sea Women Soap ist eine Hommage an diese Frauen. Für die Ingredienzen habe ich Seesalz, Seetang und ätherisches Pfefferminz-Öl ausgewählt – die Seife soll an das kalte Wasser erinnern, in welchem die Haenyeo tagtäglich arbeiten.

Wer ist deine persönliche Héroï­ne?
Meine Mutter. Sie ist die stärkste Person die ich kenne. Wie sie die Schattenseiten des Lebens meistert, ist für mich eine nicht endende Quelle der Inspiration.

Kannst du uns verraten, wie du deine Seifen nach dem Cold-Press Verfahren herstellst?
Es ist eine einfache Methode, die eine jahrhundertealte Tradition besitzt. Im Grunde genommen mixt man einfach verschiedene Öle mit einer Base. Jedes der Öle besitzt individuelle Eigenschaften. Hinzukommen weitere Inhaltsstoffe, die man frei wählen kann. Ich habe dieses Verfahren während eines Workshops erlernt und im Laufe der Zeit für mich perfektioniert.

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© Binu Binu

Was ist das besondere an dem Inhaltsstoff Boricha? Warum hast du ihn als Grundlage für deine Seifen ausgewählt?
Boricha ist ein koreanischer Tee, der aus gerösteter Gerste gewonnen wird. In Korea ist er sehr verbreitet, man trinkt ihn dort quasi wie Wasser. Boricha besitzt einen hohen Gehalt an Antioxidantien und wirkt damit stark entgiftend. Ich mag die Idee, dass der Tee einen sogar noch reinigenderen, klärenderen Effekt bewirkt, als Wasser. Außerdem hat sein Geruch für mich etwas sehr vertrautes.

Wie schaffst du es, diese pastellartigen Farben zu kreieren?
Wir verwenden ausschließlich hundert Prozent natürliche Inhaltsstoffe. Die Farbpalette kommt also ganz natürlich zustande, abhängig von den Inhaltsstoffen. Aktivkohle färbt die Seife beispielsweise Schwarz, rosa Tonerde verleiht ihr eine nude- bis rosafarbene Nuance. Unsere neueste Kreation, die Celadon Tea Ceremony Soap, ist inspiriert von koreanischen Keramik-Teeschalen, die eine wunderschöne milchig-grüne Seladonglasur besitzen. Um diese Farbe zu erreichen, haben wir mit verschiedensten Tonerden und Extrakten experimentiert.

Ein weiteres koreanisches Beauty-Geheimnis, das du mit uns teilen möchtest?
Iss jede Menge fermentiertes Gemüse, zum Beispiel Kimchi. Die enthaltenen probiotischen Bakterien und Enzyme besitzen zahlreiche positive Wirkungen für den Körper. Erst kürzlich haben wir in fermentierten Rettichwurzeln einen natürlichen Konservierungsstoff entdeckt, der antimikrobielle Eigenschaften besitzt und das Feuchtigkeitslevel der Haut erhöht. Diesen Stoff haben wir beispielsweise unserem  Seshin Korean Body Scrub beigefügt.

Danke für das Interview.

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Seshin Korean Body Scrub, ca. 32 Euro © Binu Binu